Bild: Ein Regenbogen über dem Kieler Rathaus. Foto: Ralf Lohse
Der Kieler Jugendhilfeausschuss berät am Mittwoch, 2. September, über Kinderrechte, Jugendbeteiligung und mehrere Vorhaben der Jugendhilfe. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im Raum D 604 des Neuen Rathauses, Andreas-Gayk-Straße 31.
Kinderrechte und politische Bildung
Auf Antrag von SPD und Grünen soll die Verwaltung prüfen, wie Kinderrechte verbindlich und sichtbar in der Hauptsatzung verankert werden können. Vorgesehen ist außerdem ein ressortübergreifendes Steuerungsmodell mit einem fortschreibbaren Aktionsplan, Zielen, Indikatoren und Berichtspflichten. Der Ausschuss soll zudem über eine Bewerbung Kiels beim Verein Kinderfreundliche Kommunen e.V. beraten. Vor einer Bewerbung sollen die dafür notwendigen Personal- und Finanzressourcen dargestellt werden.
Ebenfalls auf der Tagesordnung steht der Antrag „Rathaus macht Schule“. Für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 10 soll ein jährlicher Aktionstag entwickelt werden. Jugendliche könnten dabei Ratsmitglieder begleiten, Einblicke in die Arbeit des Rathauses erhalten und an Gesprächsrunden und Workshops teilnehmen. Das Vorhaben wurde nach Angaben der Vorlage bereits mehrfach beraten und zurückgestellt. Für die Jahre 2026 bis 2029 sind jeweils 5.000 Euro Aufwand eingeplant. Der Punkt steht erneut zur Vorberatung an.
Der Junge Rat Kiel beantragt außerdem, bei städtischen Informations-, Berufsorientierungs- und Werbeveranstaltungen mit Beteiligung der Bundeswehr unterschiedliche Perspektiven zugänglich zu machen. Neben Informationen zu Ausbildung, Studium und Beruf sollen auch kritische und alternative Sichtweisen sowie Diskussions- und Fragemöglichkeiten angeboten werden. Die Vorlage gibt den Antrag des Jungen Rates wieder; sie enthält keine Entscheidung des Ausschusses vor der Sitzung.
Jugendhilfe in den Stadtteilen
Der Ortsbeirat Gaarden bittet um ein integriertes Maßnahmenpaket für Sicherheit, Sauberkeit und Prävention an Orten, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Der Antrag nennt unter anderem aufsuchende Jugendsozialarbeit, die Prüfung der Beleuchtung an Schulwegen und Freizeitflächen, Schutz- und Beratungsangebote für Mädchen und junge Frauen, die Reinigung von Spiel- und Freizeitflächen sowie die Weiterentwicklung von Hilfen für suchtkranke Menschen. Auch der Zustand des Basketballplatzes am RBZ Technik und bauliche Mängel im Umfeld von Penny-Markt und Waschsalon sollen geprüft werden.
Grundlage des Antrags sind laut Vorlage Rückmeldungen aus einer Kinder- und Jugendsitzung des Ortsbeirats. Der Punkt war am 1. Juli bereits im Jugendhilfeausschuss vorgesehen und wurde vertagt. Im Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit wurde er am 20. August zurückgestellt. Welche Maßnahmen die Verwaltung daraus ableiten soll, ist Gegenstand der weiteren Beratung.
Der Ausschuss soll ferner über den Beginn der Planungen für einen zweiten Bauabschnitt im Jugenddorf Falckenstein beraten. Genannt werden die Sanierung des Unterdorfs, des Hausmeister- und Sommerhauses, weiterer Teile des Haupthauses und der Freiluft-Arena. Der Antrag verweist auf 150.000 Euro frühere Planungsmittel. Eine Gesamtsumme für den zweiten Bauabschnitt wird darin nicht genannt. Für den ersten Bauabschnitt, der unter anderem das Oberdorf betrifft, seien laut Antrag knapp 70 Prozent der Gesamtkosten über Landes- und EU-Förderung refinanziert worden.
Berichte zu Schule, Betreuung und Teilhabe
Die Verwaltung berichtet über die Arbeit der Verfahrenslotsinnen im Jugendamt. Sie beraten junge Menschen mit Behinderungen oder drohender Behinderung und ihre Familien zu möglichen Eingliederungshilfeleistungen, unterstützen bei Anträgen und begleiten bei Bedarf zu Terminen. Die beiden Stellen arbeiten von der Werftstraße 218 aus, nach Angaben der Vorlage aber im gesamten Stadtgebiet.
Ein weiterer Bericht betrifft Klassenbegleitungen an sechs Kieler Grundschulen in Gaarden und Mettenhof. In den ersten Klassen werden die Zusatzkräfte aus kommunalen Mitteln finanziert. Für zweite Klassen ist eine Unterstützung im Umfang von 50 Prozent der Unterrichtszeit über schulische oder andere Ressourcen vorgesehen. Die Verwaltung beschreibt die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Klassenbegleitungen nach einem Schuljahr als positiv. Schulen und Träger melden zugleich zusätzlichen Bedarf in Anker- und DaZ-Klassen sowie Schwierigkeiten bei der Abdeckung der zweiten Klassen an drei Schulen.
Mit „Bildung.kompakt 2025“ legt das Bildungsmanagement erstmals eine Kurzpublikation zu Elternbildung und frühkindlicher Bildung vor. Der Bericht betrachtet unter anderem frühe Hilfen, Kindertagesbetreuung, Fachkräftesicherung, Inklusion, Sprachbildung und den Zugang zu Angeboten.
Für die Jugend- und Schulsozialarbeit werden nach der vorliegenden Mitteilung 2026 zwölf Projekte mit einem Gesamtumfang von 667.717,63 Euro gefördert. Die Projekte reichen von Elternlotsen und Beratung an Schulen über Prävention sexualisierter Gewalt bis zu Medienprävention und Angeboten gegen Schulabsentismus. Für den kommenden Bewilligungszeitraum ist laut Verwaltung im Zuge der Haushaltsaufstellung 2027 eine Reduzierung der Projektmittel von 880.000 auf 580.000 Euro geplant. Welche Projekte und Umfänge davon betroffen wären, soll mit den Trägern bedarfsgerecht besprochen werden.
Weitere Punkte
Der Ausschuss soll außerdem einer Satzung zur Wahl der Kreiselternvertretungen für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zustimmen. Die Vorlage bezeichnet die Satzung als rechtlich verbindliche und gegenüber der bisherigen Wahlordnung umfassendere Regelung. Auswirkungen auf Haushalt und Stellenplan werden dort nicht erwartet.
Die Tagesordnung enthält daneben Berichte zur Bearbeitungszeit in der Kieler Ausländerbehörde und die Kenntnisnahme eines Protokolls des Jungen Rates. Die genannten Punkte sind für die öffentliche Sitzung vorgesehen. Die Tagesordnung und Vorlagen dokumentieren geplante Beratungen, Vorberatungen und Kenntnisnahmen – keine bereits gefassten Beschlüsse. Ein unmittelbarer Beschluss für Kronshagen ist nicht vorgesehen; ein regionaler Bezug besteht allenfalls mittelbar über Bildungs-, Betreuungs- und Jugendhilfestrukturen.
Quellen
- Öffentliche Tagesordnung des Kieler Jugendhilfeausschusses am 2. September 2026
- Drs. 0595/2026: Sicherheit und Sauberkeit für Kinder und Jugendliche in Gaarden
- Drs. 0756/2026-01: Perspektiven bei Informations- und Werbeveranstaltungen der Bundeswehr
- Drs. 0889/2026: Planungsmittel für das Unterdorf Falckenstein
- Drs. 0896/2026: Kinderrechte und Kinderfreundliche Kommune
- Drs. 1012/2025-01: „Rathaus macht Schule“
- Drs. 0788/2026: Satzung zur Wahl der Kreiselternvertretungen
- Drs. 0782/2026: Verfahrenslots*innen im Jugendamt
- Drs. 0799/2026: Klassenbegleitungen an Grundschulen
- Drs. 0866/2026: Bildung.kompakt 2025
- Drs. 0883/2026: Projekte der Jugend- und Schulsozialarbeit
- Drs. 0897/2026: Protokolle von Beiräten und Foren



