Zum Inhalt
KronshagenNewsNachrichten, Einordnung und Dokumentation für Kronshagen

Kiel · Kiel

Kieler Kulturausschuss: Orgel und Gedenken

Kiels Kulturausschuss berät über die offene Finanzierung einer neuen Orgel. Weitere Themen sind der Grönlandplatz, Helene Grünig, Kulturförderung und Gedenkorte.

Christian Muschick ·

Bild: Bild: Fabian Horst, File:2020-12-09 – Rathaus Kiel und Opernhaus bei Nacht.jpg, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia CommonsLizenz: CC BY-SA 4.0Quelle: …

Eine neue Konzertorgel, ein fünfköpfiges Gremium für den Kulturfonds und mehrere Vorhaben zur Kieler Erinnerungskultur stehen am Dienstag, 25. August, im Kulturausschuss zur Beratung. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr bei „Stadtgeschichte hoch drei“ in der Hopfenstraße 30. Beschlüsse sind noch nicht gefasst.

Neue Orgel im Konzertsaal kostet rund 1,85 Millionen Euro netto

Finanziell größter Punkt ist eine geplante Orgel für das Konzerthaus am Schloss. Die Theater Kiel AöR geht für Anschaffung und Einbau von Nettokosten in Höhe von rund 1,85 Millionen Euro aus. Der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss hat nach Angaben der Verwaltung bislang 920.000 Euro an Spenden eingezahlt oder für 2026 fest zugesagt.

Der Kulturausschuss soll der Ratsversammlung empfehlen, die Spenden anzunehmen und für 2026 eine außerplanmäßige Auszahlung von 506.000 Euro freizugeben. Diese erste Auszahlung soll vollständig durch Spenden gedeckt sein. Die Orgel würde von Theater Kiel ausgeschrieben und später in das Eigentum der Stadt übergehen. Die erste Phase einer europaweiten Ausschreibung wurde nach Angaben der Verwaltung am 23. Juli gestartet; ein Auftrag ist damit noch nicht erteilt.

Die Finanzierung ist noch nicht geschlossen. Aus den Nettokosten und den bisher zugesagten Spenden ergibt sich zunächst eine Lücke von rund 932.000 Euro für 2028 und 2029. Der Finanzierungsplan setzt weitere Spenden und eine positive Geschäftsentwicklung des Konzerthauses mit zusammen 350.000 Euro an. Selbst in diesem Szenario blieben 581.523 Euro ungedeckt. Nicht durch Spenden abgedeckte Kosten müssten laut Vorlage aus städtischen Mitteln finanziert werden. Die endgültige Entscheidung soll die Ratsversammlung am 27. August treffen.

Weitere Spenden sollen die Lücke verkleinern

Die Orgelvorlage beschreibt ausdrücklich eine weiterlaufende Spendenaktion. Die bisherigen Zuwendungen seien noch ohne eine öffentlichkeitswirksame Kampagne eingeworben worden. Der Förderverein gehe davon aus, mit einer aktiven Bewerbung weitere nennenswerte Beträge sammeln zu können. Jede zusätzliche Spende würde den Anteil verringern, der andernfalls aus dem Kieler Haushalt oder aus einer besseren Geschäftsentwicklung des Konzerthauses finanziert werden müsste.

Die Stadt hatte im März von mehr als einer Million Euro gesprochen, die bereits aus Spendengeldern für die Orgel bereitstünden. Die aktuelle, für die Haushaltsentscheidung maßgebliche Vorlage setzt dagegen 920.000 Euro als eingezahlt oder fest zugesagt an. Warum die Angaben voneinander abweichen, wird in den öffentlichen Unterlagen nicht erklärt.

Der Förderverein wirbt auf einer eigenen Projektseite um Unterstützung für die Orgel. Eine direkte Spendenverknüpfung ist in diesem Entwurf noch nicht enthalten: Die als Online-Spendenseite bezeichnete Unterseite war bei der redaktionellen Prüfung am 14. August nicht zuverlässig und eindeutig als Vereinsangebot nutzbar. Kontodaten oder Zahlungslinks sollten deshalb erst übernommen werden, wenn der Förderverein einen technisch und inhaltlich verifizierbaren Weg bestätigt.

Fünf Fachleute sollen Kulturfonds beraten

Der Ausschuss entscheidet außerdem über die Besetzung eines neuen beratenden Expertengremiums für den Kieler Kulturfonds. Vorgeschlagen sind Ruth Bender, Dr. Peter Kruska, Andrea Fuest, Hannah Kayenburg und Julian Wiprich. Das Gremium soll Förderanträge fachlich bewerten und Empfehlungen abgeben.

Die Entscheidung über die Mittel bleibt nach der Vorlage bei den politischen Gremien: Beantragte Fördersummen ab 5.000 Euro werden weiterhin dem Kulturausschuss zur Freigabe vorgelegt. Für die Berufung der fünf Mitglieder weist die Verwaltung keine Auswirkungen auf Haushalt oder Stellenplan aus.

Neubenennung einer Freifläche in „Grönlandplatz“

Bei diesem Vorschlag geht es um die Benennung eine bereits gestaltete Freifläche an der Einmündung Willestraße und Holstenbrücke. Sie gehört der Stadt, verfügt über eingefasste Zierbeete, Bäume und Stadtmobiliar und hat bislang keinen eigenen Namen. Der Ortsbeirat Mitte unterstützte die Benennung im April einstimmig bei zwei Enthaltungen. Im Finanzcheck der Vorlage sind keine Aufwendungen ausgewiesen.

Die Verwaltung nennt drei konkrete Gründe für „Grönlandplatz“: Erstens wurde 1814 im Buchwaldschen Hof in der Dänischen Straße der Kieler Frieden geschlossen. Bei der damaligen Neuordnung blieben Grönland und die Färöer beim dänischen Gesamtstaat. Zweitens verweist die Vorlage auf die dänische Minderheit in Kiel und deren Einsatz für Autonomie, Förderung und kulturellen Austausch mit Grönland. Drittens soll die Benennung angesichts der aktuellen politischen Lage das Bewusstsein für diese historischen Beziehungen stärken und Grönlands Stellung im Königreich Dänemark hervorheben.

Nach dem Kulturausschuss stehen weitere Entscheidungen im Bauausschuss und in der Ratsversammlung an.

Neubenennung des Helene-Grünig- Parks

Beim zweiten Neubenennungsvorschlag handelt es sich tatsächlich um eine Grünfläche: Ein bislang unbenanntes Areal zwischen Werftstraße und Werftbahnstraße soll „Helene-Grünig-Park“ heißen. Sollte die Benennung der gesamten Fläche nicht möglich sein, schlägt der Ortsbeirat Gaarden „Helene-Grünig-Weg“ für den Weg durch die Anlage vor. Der Ortsbeirat verspricht sich davon auch eine Aufwertung des belebten, bislang namenlosen Ortes nahe dem Neubaugebiet „Kool Kiel“.

Helene Grünig wurde 1871 in Neusalz in Schlesien geboren und zog mit ihrem Mann nach Kiel. In Gaarden beteiligte sie sich noch während des Sozialistengesetzes an illegalen Treffen der Arbeiterbewegung. 1905 wurde sie zur ersten Vertrauensperson der Gaardener Frauenversammlung gewählt. Sie organisierte im Abstand von vier bis sechs Wochen Versammlungen, die von der Polizei überwacht wurden, weil Frauen damals weder Parteien angehören noch sich frei politisch organisieren durften.

Als das Verbot 1908 fiel, trat Grünig am selben Tag gemeinsam mit rund 300 Gaardener Frauen der SPD bei. Sie setzte sich für Frauenwahlrecht und Wählbarkeit ein, nahm 1910 am Zweiten Internationalen Frauenkongress der Sozialistinnen in Kopenhagen teil und sprach später auf Frauentagskongressen. Privat war sie Arbeiterfrau und Mutter von sechs Kindern. Über ihr Leben nach dem Ersten Weltkrieg ist nach Angaben der Stadt nur wenig bekannt. Helene Grünig starb 1965 in Kiel.

Der Ortsbeirat Gaarden beschloss den Namensvorschlag im Mai einstimmig bei Enthaltung der AfD. Der Kulturausschuss berät vor; abschließend soll die Ratsversammlung entscheiden.

Gaardener Bibliothek und drei Vorhaben zum Gedenken

Die Stadtteilbücherei Gaarden könnte perspektivisch aus der Elisabethstraße in den geplanten Neubau an der Schulstraße 29 ziehen. Der Ortsbeirat Gaarden möchte dort Flächen für die Bücherei vorsehen und sie als offenen Bildungs- und Begegnungsort weiterentwickeln. Der Antrag verlangt zunächst weitere Gespräche mit dem Vorhabenträger und eine frühe Beteiligung der Gremien. Angaben zu Fläche, Kosten, Mietbedingungen oder Umzugstermin enthält die öffentliche Vorlage nicht.

Der Ortsbeirat Schreventeich/Hasseldieksdamm beantragt eine Geschichtsstele auf dem Exerzierplatz, die nach Abschluss der Baumaßnahmen über die Entstehung des Platznamens und die Kieler Zeit im dänischen Gesamtstaat informieren soll. Über den Antrag kann der Kulturausschuss entscheiden; Kosten sind nicht genannt.

Ein weiterer Prüfantrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen betrifft eine Gedenkstelle für bislang nicht eigens bedachte Opfer des Nationalsozialismus. Zunächst sollen Menschen berücksichtigt werden, die wegen ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet wurden. Ort, Form, Zusammenführung möglicher Opfergruppen und Kosten soll die Verwaltung erst untersuchen. Der Ausschuss berät vor, die Ratsversammlung entscheidet.

Grundbildungszentrum berichtet über fünf Jahre

Als Mitteilung steht das Grundbildungszentrum Kiel an der Förde-vhs auf der Tagesordnung. Es bietet Erwachsenen kostenlos Unterstützung beim Lesen, Schreiben, Rechnen sowie bei digitalen und alltagsbezogenen Kompetenzen. Von 2021 bis 2026 wurden nach Angaben der Stadt 377 Kurse mit mehr als 3.150 Belegungen durchgeführt. Das Land finanziert das Zentrum laut Mitteilung bis einschließlich 2028; in Kiel ist dafür eine auf 30 Wochenstunden angelegte Stelle vorgesehen.

Die Angebote finden neben dem Gustav-Radbruch-Haus an zehn weiteren Standorten in Kiel statt. Einen konkreten Standort oder ein eigenes Fördervorhaben in Kronshagen nennt die Vorlage nicht.

Redaktionelle Einordnung: Nutzen und offene Fragen

Die Orgel könnte nach Darstellung der Verwaltung das Programm des Konzerthauses um eigene Reihen, Film- und Nachtkonzerte sowie Kooperationen mit Musikhochschulen erweitern. Dem steht eine noch offene Finanzierung gegenüber. Eine intensivere öffentliche Spendenkampagne kann diese Lücke verringern. Sie ersetzt aber nicht die politische Klärung, welcher Höchstbetrag am Ende beim Kieler Haushalt verbleiben darf und wie belastbar die erwarteten Betriebserlöse sind.

Bei Bibliothek, Stele und Gedenkstelle werden zunächst politische Richtungen oder Prüfaufträge festgelegt. Belastbare Kosten, Zeitpläne und konkrete Ausführungen fehlen noch. Für Kronshagen sind die Vorhaben nicht unmittelbar: Konzerthaus und Förde-vhs können zwar auch von Menschen aus dem Umland genutzt werden, die Sitzungsunterlagen weisen aber weder eine Kronshagener Finanzierung noch ein örtliches Projekt aus. Nichtöffentliche Tagesordnungspunkte wurden nicht ausgewertet.

Primärquellen