Bild: Archiv- und Symbolfoto: KVG-Bus in Kiel während der Kieler Woche 2024. Das Bild zeigt nicht die Linien 34 oder 81. Foto: E bzk, CC0, via Wikimedia Commons.
Der Regionalentwicklungsausschuss des Kreises Rendsburg-Eckernförde berät am 9. September über die Zukunft des Regionalbusverkehrs. Für Kronshagen ist vor allem ein Punkt wichtig: Die Linie 765 über Nortorf, Felde, Landwehr und Kronshagen nach Kiel gehört in der jetzt vorliegenden Gutachterpräsentation zu den 33 Linien, deren Angebot erhalten bleiben soll. Eine politische Entscheidung über das Gutachten steht damit noch nicht fest.
Zwischen Kürzungsvarianten und On-Demand-Angeboten
Das Gutachten zur Kostenoptimierung steht zunächst nur zur Kenntnisnahme auf der Tagesordnung. Eine Variante beschreibt Einsparungen auf 32 von 67 Linien: Bis Ende 2030 wären danach rund 903.600 Fahrplankilometer weniger vorgesehen, das entspricht 10,9 Prozent der heutigen Leistung. Die jährliche Bilanz beziffert die Präsentation auf rund 1,95 Millionen Euro Einsparung.
Die zweite Variante verbindet Einsparungen auf 21 Linien mit einer Angebotsverbesserung auf einer Linie und mit On-Demand-Verkehren als teilweisem Ersatz. Ihre Gesamtbilanz liegt nach der Präsentation bei rund 152.800 Euro Einsparung pro Jahr. Die Linie 765 erscheint in keiner der aufgelisteten Maßnahmen für 2027 bis 2029; sie wird als Linie mit Erschließungsfunktion geführt.
Die Zahlen sind Empfehlungen des Gutachters, keine beschlossene Angebotsänderung. Die Verwaltung verweist zugleich auf eine günstigere Finanzlage als bei Auftrag des Gutachtens erwartet: Für 2026 werde im Teilhaushalt ÖPNV ein um rund 8,2 Millionen Euro niedrigerer Finanzierungsbedarf als im ursprünglichen Ansatz erwartet. Zusätzlich sei aus der Abrechnung 2025 eine Rückzahlung von rund zwei Millionen Euro zu erwarten. Beides beruht nach der Vorlage noch teilweise auf Prognosen und zeitversetzten Abrechnungen, etwa beim Deutschlandticket.
Was noch offen ist
Für die Beratung stellt sich damit nicht nur die Frage, wo Fahrplankilometer entfallen könnten. Das Gutachten weist darauf hin, dass weniger Buskilometer nicht im gleichen Maß Kosten senken: Fahrzeuge, Personal und Betriebshof verursachen Fixkosten. Zugleich können Angebotskürzungen Fahrgeldeinnahmen und künftig auch die Verteilung von Landesmitteln beeinflussen. Eine grundsätzliche Festlegung zur weiteren Ausgestaltung des Regionalverkehrs soll erst mit den weiteren politischen Beratungen und der Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplans erfolgen.
Borgstedt: Ausschuss soll über neue Linie 701 entscheiden
Anders als beim Gutachten ist für die ÖPNV-Anbindung des Gewerbegebiets Borgstedt eine Entscheidung vorgesehen. Der Kreis legt zwei Varianten der neuen Linie 701 vor. Variante 1 umfasst werktags drei Fahrtenpaare zwischen Gewerbegebiet und Rendsburg, Bahnhofstraße, und würde nach der Vorlage rund 23.000 Euro im Jahr kosten. Variante 2 soll werktags von 5 bis 20 Uhr stündlich über Borgstedt fahren und rund 85.000 Euro jährlich kosten. Die Verwaltung empfiehlt Variante 2; sie sieht darin unter anderem eine bessere Anbindung auf der Achse Rendsburg – Büdelsdorf und einen stabileren Fahrplan der Linie 10. Die zusätzlichen Kosten müssten in den Haushalt 2027 aufgenommen werden.
Die Vorlage verweist zugleich auf den bis 2030 genehmigten, auf Amazon-Schichtzeiten abgestimmten Werksverkehr. Die Abwägung liegt deshalb zwischen einem öffentlichen Zusatzangebot, dessen Nutzen und den zusätzlichen Kosten. Eine direkte Änderung für Kronshagen ist damit nicht verbunden.
Antrag zur Haltestellenförderung
Außerdem berät der Ausschuss einen Antrag der CDU-Fraktion, die Richtlinie zur Förderung barrierefreier Bushaltestellen für die Jahre 2026 bis 2029 auszusetzen. Die Fraktion begründet ihren Antrag mit der angespannten Finanzlage der Kommunen, möglichen Haltestellenwegfällen und möglichen Schäden durch erhöhte Bordsteine. Das ist die Position der CDU-Fraktion; aus den öffentlichen Unterlagen geht keine dokumentierte Gegenposition anderer Fraktionen hervor.
Der Regionalentwicklungsausschuss berät den Antrag am 9. September, der Hauptausschuss am Folgetag. Als Entscheidungstermin nennt die Vorlage den Kreistag am 21. September. Ob und welche Haltestellen in Kronshagen von einer möglichen Aussetzung betroffen wären, lässt sich aus dem Antrag nicht ableiten.
Quellen
- Kreis Rendsburg-Eckernförde: Tagesordnung des Regionalentwicklungsausschusses am 9. September 2026
- Kreis Rendsburg-Eckernförde: Gutachten zur Kostenoptimierung des ÖPNV, VO/2026/169-01
- Kreis Rendsburg-Eckernförde: Anbindung Gewerbegebiet Borgstedt, VO/2022/374-01
- Kreis Rendsburg-Eckernförde: Antrag zur Förderung barrierefreier Bushaltestellen, VO/2026/250



