Zum Inhalt
KronshagenNewsNachrichten, Einordnung und Dokumentation für Kronshagen

Kreis · Kreis Rendsburg-Eckernförde

AktivRegion Mittelholstein: Was ist das?

Kronshagen gehört seit den Anfängen zur AktivRegion Mittelholstein. Der Überblick erklärt Gründung und Auswahlverfahren, nennt dokumentierte Zuschüsse und Projektkosten und zeigt, wie Bürger Ideen einbringen können.

Christian Muschick ·

Bild: Der Bahnhaltepunkt Kronshagen. Eine digitale Informationsstele an diesem Standort gehörte 2021 zu den geförderten Regionalbudget-Projekten. Foto: Rüdiger Stehn, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia …

Was ist eine AktivRegion?

Eine AktivRegion ist ein Zusammenschluss von Kommunen, Vereinen, Verbänden, Unternehmen und Einwohnern, der für ein festgelegtes Gebiet über die regionale Verwendung von Fördermitteln mitentscheidet. Dahinter steht das europäische LEADER-Programm für die Entwicklung ländlicher Räume. Das Geld stammt vor allem aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, kurz ELER.

In Schleswig-Holstein gibt es 22 AktivRegionen. Mittelholstein umfasst heute die Ämter Achterwehr, Bordesholm, Eidertal, Mittelholstein und Nortorfer Land sowie die Gemeinden Kronshagen und Wasbek. Das Gebiet reicht über rund 951 Quadratkilometer und hat etwa 100.000 Einwohner.

Die organisatorische Arbeit übernimmt der eingetragene Verein LAG AktivRegion Mittelholstein. LAG steht für „Lokale Aktionsgruppe“. Sein 27-köpfiger Vorstand bewertet Projektanträge nach veröffentlichten Kriterien. Mehr als die Hälfte der Mitglieder kommt aus dem nichtkommunalen Bereich; auch eine Jugendvertretung gehört dem Vorstand an. Befangene Mitglieder dürfen an der jeweiligen Projektauswahl nicht mitwirken. Der Vorstand ist an Strategie und Kriterien gebunden, hat innerhalb dieser Regeln aber Bewertungsspielraum. Bei knappen Mitteln entscheidet ein Ranking. Das zuständige Landesamt prüft anschließend den formellen Förderantrag und erteilt gegebenenfalls den Zuwendungsbescheid.

Wer gründete die AktivRegion – und wann?

Die beteiligten Kommunen fanden sich nach den offiziellen Strategieunterlagen 2007 als AktivRegion zusammen. Zur damaligen Gebietskulisse gehörten die Ämter Achterwehr, Bordesholm, Flintbek, Mittelholstein, Molfsee und Nortorfer Land sowie Kronshagen und Wasbek. In der aktuellen Satzung tritt an die Stelle der früher getrennt aufgeführten Ämter Flintbek und Molfsee das Amt Eidertal.

Der Trägerverein LAG AktivRegion Mittelholstein besteht als eingetragener Verein seit 2008. Einen exakten Gründungstag nennen die verlinkten Unterlagen nicht. 2007 bezeichnet damit den Beginn der AktivRegion, 2008 den Beginn des eingetragenen Vereins.

Der LEADER-Ansatz soll regionale Akteure an der Zielsetzung und Projektentwicklung beteiligen. Kommunen und andere Akteure der Region legen dafür Ziele fest und entwickeln Projektideen. Die Auswahl treffen die Vereinsgremien innerhalb der Förderbedingungen von EU und Land. Themen waren von Anfang an unter anderem die Lebensqualität im ländlichen Raum, der demografische Wandel, Bildung, Wirtschaft und Klimaschutz.

Wie hat sich die Arbeit entwickelt?

In der ersten Förderperiode 2007 bis 2013 ging es vor allem darum, die regionale Zusammenarbeit aufzubauen und gemeinsame Projekte anzustoßen. Für die Förderperiode 2014 bis 2020 gab sich Mittelholstein eine ausführlichere Strategie mit vier Schwerpunkten und neun Kernthemen. Nach einer Halbzeitevaluation wurde sie 2018 überarbeitet; das Land genehmigte die Änderungen 2019.

Die aktuelle Strategie gilt für 2023 bis 2027 mit Übergangsjahren bis 2029. Sie bündelt die Arbeit in drei Zukunftsthemen: Klimaschutz und Klimawandelanpassung, Daseinsvorsorge und Lebensqualität sowie regionale Wertschöpfung. Darunter liegen sieben Kernthemen, etwa Mobilität, Bildung, Kultur, lebendige Gemeinden und regionale Wirtschaft.

Für diesen Zeitraum stehen der AktivRegion 2,5 Millionen Euro aus dem ELER zur Verfügung. Das ist allerdings nicht vollständig Projektgeld. Laut Strategie sind 23,44 Prozent für die laufenden Kosten der LAG vorgesehen, insbesondere für Regionalmanagement und Sensibilisierung. Förderfähige Projekte können je nach Thema und Bewertung einen Teil ihrer Kosten erstattet bekommen; einen automatischen Anspruch gibt es nicht.

Welche Förderungen sind für Kronshagen dokumentiert?

Drei größere Kronshagener Vorhaben sind auf den Projektseiten der AktivRegion mit eigenen Fördersummen ausgewiesen:

Projekt Veröff. Stand Gesamtkosten Fördersumme
Bürgerpark auf dem ehemaligen Grandplatz Zuwendungsbescheid 06/2024 307.054 Euro 150.000 Euro
Umgestaltung des Schulhofs der Gemeinschaftsschule Projektlaufzeit 2021 100.000 Euro 46.218 Euro
Biodiversitätsstrategie für kommunale Grünflächen Projektlaufzeit 2023 23.896,69 Euro 11.044,69 Euro

Die Projektseiten weisen für die drei Vorhaben Gesamtkosten von zusammen 430.950,69 Euro aus; davon entfallen 207.262,69 Euro auf die Zuschüsse. Die Förderung deckt damit rund 48 Prozent der angegebenen Gesamtkosten. Die rechnerische Differenz von 223.688 Euro ist nicht automatisch mit dem endgültigen Eigenanteil der Gemeinde gleichzusetzen: Weitere Finanzierungsquellen, nicht förderfähige Kosten und Schlussabrechnungen sind dort nicht vollständig ausgewiesen.

Hinzu kommen Kleinprojekte aus dem Regionalbudget. Dokumentiert sind 2020 die Kletterlandschaft „Eichhörnchenkobel“, 2021 eine digitale Informationsstele am Bahnhaltepunkt und 2023 ein Sonic Chair für die Gemeindebücherei. Die öffentlich zugänglichen Übersichten nennen dafür keine Einzelzuschüsse.

Dem stehen eigene kommunale Beiträge gegenüber. Die aktuelle Strategie kalkuliert für Kronshagen auf Basis der Einwohnerzahl von 2020 eine jährliche Umlage von 11.927 Euro. Davon sind 9.541,60 Euro für laufende Kosten und 2.385,40 Euro für die Kofinanzierung privater Projekte vorgesehen. Das ist keine persönliche Gebühr für Einwohner, sondern ein Beitrag der Gemeinde aus dem kommunalen Haushalt. Der Betrag ist ein Planwert; die tatsächliche jährliche Umlage kann sich mit dem zugrunde gelegten Bevölkerungsstand ändern.

Wie können Bürger und Vereine mitmachen?

Für Kronshagener können selbst Projektideen an das Regionalmanagement herantragen. Privatpersonen, Vereine, Verbände, Unternehmen und Stiftungen können außerdem einen Aufnahmeantrag für den Verein stellen. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand; gegen eine Ablehnung ist eine Beschwerde bei der Mitgliederversammlung möglich.

Eine gute Idee allein reicht für eine Förderung allerdings nicht. Das Vorhaben muss zur Entwicklungsstrategie passen, einen Nutzen für die Region haben, die Mindestpunktzahl erreichen und finanziell abgesichert sein. Bei regulären LEADER-Projekten bleiben je nach Thema grundsätzlich 20 bis 40 Prozent der förderfähigen Kosten beim Träger; nicht förderfähige Ausgaben können den eigenen Anteil erhöhen. Beim jährlich ausgestalteten Regionalbudget gelten eigene Fristen und Bedingungen. Das Regionalmanagement in Bordesholm berät zum Verfahren, beseitigt aber weder Eigenanteil noch Verwaltungsaufwand.

Quellen