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Landesregierung legt Zehn-Jahres-Bilanz vor – RE 70 und RE 7 bleiben Pünktlichkeits-Sorgenbahnen
Die Pünktlichkeit der schleswig-holsteinischen Regionalzüge hat sich seit 2017 nicht durchgehend verbessert. Das geht aus der Landtagsdrucksache 20/4628 hervor, die der SPD-Abgeordnete Niclas Dürbrook als Kleine Anfrage eingebracht hat und die Landesregierung am 21. Juli 2026 beantwortet hat. Besonders betroffen sind die Linien, die für Kronshagener Einpendler nach Hamburg zentral sind: RE 70 (Kiel–Hamburg) und RE 7 (Flensburg–Hamburg über Neumünster). Beide bleiben über den gesamten Zeitraum hinweg die schwächsten Pendlerbahnen im Land.
Gesamtbild: SPNV in Schleswig-Holstein
Die Landesregierung weist darauf hin, dass die Pünktlichkeitswerte monatlich auf der Internetseite der NAH.SH veröffentlicht werden. Die Drucksache liefert erstmals eine gebündelte Jahressicht ab 2017. Der nach Zug-Kilometern gewichtete Gesamtwert für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Schleswig-Holstein lag im langjährigen Mittel bei 88,4 Prozent. Das höchste Jahr war 2020 mit 91,8 Prozent – pandemiebedingt mit stark reduziertem Fahrplan. Das Jahr 2024 war mit 84,8 Prozent das schwächste, 2025 erholte sich der Gesamtwert auf 88,1 Prozent. Für 2026 liegen die Werte bis Mai vollständig vor; der Teilvertrag zeigt 87,0 Prozent. Ein voller Jahresvergleich für 2026 ist auf Basis dieser Daten noch nicht möglich.
| Jahr | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 * | Mittel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SPNV gesamt | 90,6 % | 86,7 % | 91,0 % | 91,8 % | 91,2 % | 87,4 % | 85,1 % | 84,8 % | 88,1 % | 87,0 % | 88,4 % |
* Pünktlichkeitswerte für 2026 bis Mai vollständig; noch kein ganzjähriger Wert.
Pendlerlinien in den Mittelpunkt
Für Kronshagener Einpendler sind vor allem die Linien RE 70 und RE 7 als Hamburg-Verbindungen relevant, dazu kommen mit RE 74, RB 75 und RB 73 die Zubringer aus dem Umland nach Kiel sowie der RE 83 zwischen Kiel und Lübeck. In der Zehn-Jahres-Sicht klafft die Pünktlichkeit deutlich auseinander.
| Linie | Strecke | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 * | Mittel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RE 70 | Kiel–Hamburg | 86,5 | 75,3 | 83,8 | 84,6 | 84,0 | 77,4 | 69,4 | 72,7 | 75,9 | 75,1 | 78,5 |
| RE 7 | Flensburg–Hamburg | 84,3 | 75,5 | 83,5 | 83,2 | 84,2 | 77,0 | 70,6 | 74,9 | 77,9 | 76,4 | 78,8 |
| RE 83 | Kiel–Lübeck | 93,6 | 90,8 | 92,9 | 94,1 | 92,7 | 88,6 | 80,8 | 86,4 | 90,9 | 92,9 | 90,4 |
| RE 74 | Husum–Kiel | 94,8 | 91,7 | 94,2 | 94,7 | 95,4 | 93,4 | 92,1 | 88,8 | 94,1 | 92,8 | 93,2 |
| RB 75 | Rendsburg–Kiel | 94,1 | 90,3 | 93,5 | 94,9 | 95,4 | 94,5 | 98,7 | 88,5 | 97,5 | 92,9 | 94,0 |
| RB 73 | Eckernförde–Kiel | 94,6 | 90,7 | 95,8 | 95,3 | 96,6 | 96,3 | 96,0 | 95,1 | 96,9 | 95,4 | 95,3 |
* Pünktlichkeitswerte für 2026 bis Mai vollständig; noch keine Ganzjahreswerte.
Auffällig ist die Schere zwischen den Hamburger Verbindungen und den Zubringern: Während RE 74, RB 75 und RB 73 im langjährigen Durchschnitt über 93 Prozent Pünktlichkeit erreichen, kommen RE 70 und RE 7 nur auf 78,5 beziehungsweise 78,8 Prozent. Das schwächste Einzeljahr haben beide Linien 2023 gemeinsam: Der RE 70 fällt auf 69,4 Prozent, der RE 7 auf 70,6 Prozent. 2025 zeigt sich eine leichte Erholung, die sich im Teilvertrag 2026 bis Mai fortsetzt – auf ein Niveau, das aber weiterhin unter dem Vor-Krisen-Niveau der Jahre 2019 bis 2021 bleibt.
Der RE 83 zwischen Kiel und Lübeck verläuft im langjährigen Mittel bei 90,4 Prozent. Auch hier zeichnet sich im Jahr 2023 ein deutlicher Einbruch auf 80,8 Prozent ab, gefolgt von einer allmählichen Erholung auf 92,9 Prozent im Teilvertrag 2026.
Verbindungsbahn Hamburg als Erklärung
Die Landesregierung nennt in ihrer Antwort einen klaren Hauptgrund für die niedrigen Werte der Hamburger Linien: Die Verbindungsbahn in Hamburg wird langfristig ein Nadelöhr für die Regionalzüge aus Schleswig-Holstein bleiben, sofern der Bund keine Ausbaumaßnahmen ergreift. Die dort entstehenden Verspätungen wirken sich direkt auf die Linien RE 7, RE 70, RB 61 und RB 71 aus und indirekt auch auf den RE 6.
Hinzu kommen hohe Streckenauslastungen: Auf den Strecken Hamburg–Kiel und Neumünster–Flensburg sowie auf der Strecke Hamburg–Lübeck treffen unterschiedliche Verkehrsarten aufeinander. Für die Strecke Hamburg–Lübeck erwartet die Landesregierung nach Inbetriebnahme der Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung eine noch stärkere Auslastung. Auf der Strecke Neumünster–Flensburg erschwert eine lange Blockteilung die Durchmischung der Verkehrsarten und führt zu Folgeverspätungen.
Über alle Linien hinweg teilt die NAH.SH die Verspätungsursachen grob ein: Etwa drei Viertel der Verspätungen entstehen durch Infrastrukturstörungen, Baumaßnahmen und Zugfolgeeffekte. Das verbleibende Viertel entfällt nach Angaben der Landesregierung zu ungefähr gleichen Teilen auf fahrzeugbedingte Ursachen, die verkehrliche Durchführung der Verkehrsunternehmen und externe Einwirkungen. Eine detaillierte Ursachenzuordnung nach Linie liegt der Landesregierung nicht vor und wäre nach Angaben der NAH.SH nur mit erheblichem Analyseaufwand möglich.
Im Netz Mitte Los A – dort verkehren die Strecken Hamburg–Kiel und Hamburg–Flensburg – kam es zusätzlich zu Engpässen bei den Fahrzeugen der Baureihe ET 445. DB Regiro hat 2023 und 2024 Maßnahmen zur Stabilisierung des Fahrzeugumlaufs umgesetzt. Bei der Betriebsaufnahme von erixx Holstein im Dezember 2022 gab es erhebliche Qualitätsprobleme durch Engpässe bei Personal- und Fahrzeugverfügbarkeit; die NAH.SH hat die vertraglich vorgesehenen Qualitätsregelungen angewendet und mit dem Unternehmen Maßnahmen erarbeitet.
Ausfälle ohne Ersatzverkehr
Die Drucksache enthält auch eine Jahresübersicht zu Zugausfällen ohne Ersatzverkehr, ausgewiesen als Anteil an den planmäßigen Fahrten. Beim Gesamt-SPNV liegt der Mittelwert bei 2,2 Prozent. 2023 war mit 3,8 Prozent das schwächste Jahr, 2024 folgt mit 2,9 Prozent. 2026 (bis Mai) liegt der Wert bei 2,8 Prozent.
| Linie | Strecke | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 * | Mittel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RE 70 | Kiel–Hamburg | 1,3 | 1,6 | 1,4 | 1,8 | 1,7 | 5,9 | 2,8 | 3,9 | 3,9 | 8,8 | 3,3 |
| RE 7 | Flensburg–Hamburg | 3,3 | 6,9 | 2,8 | 4,3 | 5,5 | 4,4 | 6,3 | 6,6 | 6,3 | 5,7 | 5,2 |
| RE 83 | Kiel–Lübeck | 0,5 | 1,0 | 0,6 | 2,2 | 2,6 | 1,3 | 7,3 | 2,5 | 1,1 | 0,8 | 2,0 |
| RE 74 | Husum–Kiel | 0,9 | 0,4 | 0,4 | 0,7 | 1,4 | 1,1 | 1,3 | 0,6 | 0,3 | 0,4 | 0,8 |
| RB 75 | Rendsburg–Kiel | 0,6 | 1,0 | 20,4 | 7,2 | 2,8 | 2,7 | 1,9 | 0,4 | 0,6 | 0,9 | 3,9 |
| RB 73 | Eckernförde–Kiel | 1,4 | 4,3 | 1,7 | 2,3 | 3,9 | 2,7 | 1,3 | 0,5 | 0,5 | 0,4 | 1,9 |
| SPNV gesamt | gewichtet nach Zug-km | 1,3 | 2,0 | 1,5 | 1,7 | 2,2 | 2,0 | 3,8 | 2,9 | 2,1 | 2,8 | 2,2 |
* Ausfallwerte für 2026 bis Mai vollständig; noch keine Ganzjahreswerte.
Bei den Sorgenlinien RE 70 und RE 7 fällt die Ausfallquote über den gesamten Zeitraum hinweg deutlich höher aus als im Landesdurchschnitt. Beim RE 70 steigt die Quote 2026 (bis Mai) auf 8,8 Prozent und liegt damit so hoch wie in keinem Vorjahr. Die Ausfallmittelwerte für RE 70 (3,3 Prozent) und RE 7 (5,2 Prozent) bleiben dauerhaft über dem SPNV-Gesamtmittel von 2,2 Prozent.
Die RB 75 weist 2019 einen Ausreißer von 20,4 Prozent auf, im selben Jahr pendelt die Pünktlichkeit mit 93,5 Prozent jedoch im normalen Bereich. 2020 bleibt die Ausfallquote mit 7,2 Prozent erhöht, ab 2021 sinkt sie kontinuierlich und liegt 2025 bei 0,6 Prozent. Eine Begründung für den Spitzenwert 2019 enthält die Drucksache nicht.
Vertragsstrafen und Sanktionen
Seit 2017 wurden in allen Verkehrsverträgen bei Unterschreiten der Pünktlichkeitsziele oder bei Zugausfällen die im Vertrag vorgesehenen Minderungen geltend gemacht. Für außergewöhnliche Schlechtleistungen wurden je nach Anwendungsfall zusätzliche Minderungen oder Vertragsstrafen verhängt. Eine Zuordnung zu einzelnen Linien ist nach Angaben der NAH.SH jedoch nicht möglich, da die Qualitätsbewertung und Abrechnung auf Ebene des jeweiligen Verkehrsvertrages beziehungsweise Netzes erfolgt, das mehrere Linien umfassen kann.
Maßnahmen zur Stabilisierung
Im Netz West wurden in den letzten Jahren verschiedene betriebliche Maßnahmen umgesetzt, darunter der seit Dezember 2021 eingeführte Flexstart in Westerland zur besseren Nutzung verfügbarer Trassen und Dispositionsvereinbarungen für eine flexiblere Betriebsführung. Zur weiteren Stabilisierung ist ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 ein Trassentausch zwischen Regionalverkehr und Autozugverkehren vorgesehen. Dadurch soll ein Puffer von 15 Minuten südlich des eingleisigen Engpasses Niebüll–Klanxbüll eingearbeitet werden, voraussichtlich im Bahnhof Niebüll.
Eine nachhaltige Verbesserung im Netz West erwartet die NAH.SH erst mit der Elektrifizierung der Marschbahn und dem zweigleisigen Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll beziehungsweise Morsum und Tinnum. Auch danach bleiben die eingleisigen Abschnitte zwischen Bredstedt und Hattstedt sowie an der Husumer Hafenbrücke und der Eiderbrücke.
Im Hamburger Raum könnte sich eine geringere Störungsintensität auf dem Abschnitt zwischen Hamburg und Elmshorn durch das ESTW Hamburg-Eidelstedt ergeben. Das neue Stellwerk soll die Steuerung des Zugverkehrs zwischen Hamburg-Eidelstedt und Tornesch umfassen. Eine Gesamtinbetriebnahme ist nach den derzeit veröffentlichten Angaben der DB InfraGO jedoch frühestens im Jahr 2029 zu erwarten. Bis dahin sollen die Bauarbeiten für den neuen Bahnhof Hamburg-Altona andauern. Die Landesregierung geht davon aus, dass es immer wieder zu Sperrungen kommen wird; bereits jetzt ist die Verfügbarkeit der Trassen zum bisherigen Bahnhof Hamburg-Altona eingeschränkt.
Eine gesamthafte Darstellung möglicher Qualitätsverbesserungsmaßnahmen seitens der DB InfraGO liegt der Landesregierung nicht vor.
Quellen
- Schleswig-Holsteinischer Landtag, Drucksache 20/4628, 21. Juli 2026 – Kleine Anfrage des Abgeordneten Niclas Dürbrook (SPD) und Antwort der Landesregierung, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus: Entwicklung der Pünktlichkeit der Bahnlinien in Schleswig-Holstein seit 2017
- NAH.SH – monatliche Pünktlichkeits- und Ausfallauswertungen: nah.sh



