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Kronshagen · Kronshagen

Historischer Rundgang: Ohne echten Ortskern

Zum zweiten Mal hat der Kultur Kreis Kronshagen zu einem historischen Rundgang eingeladen. Ortschronist Hauke Hansen führte am 5. September westlich der Bahnlinie zu Stationen wie dem alten Bahnhof, der Papageiensiedlung und der letzten Reetdach-Kate. Eine Route durch eine Gemeinde, die nie einen echten Ortskern hatte.

Christian Muschick ·

Bild: Der historische Rundgang des Kultur Kreises Kronshagen hielt am 5. September 2026 am alten Sparkassengebäude an der Kieler Straße. Foto: Wolfgang Sauermann

Zum zweiten Mal hat der Kultur Kreis Kronshagen zu einem historischen Rundgang durch Kronshagen eingeladen. Ortschronist Hauke Hansen führte am Samstag, 5. September, rund zweieinhalb Stunden westlich der Bahnlinie zu Stationen der Gemeindegeschichte; der erste Rundgang im Vorjahr hatte das östliche Kronshagen abgedeckt. Begleitet wurde die Tour vom Verein Radeln ohne Alter, der zwei Rikschas für Seniorinnen und Senioren mit eingeschränkter Mobilität bereitstellte. Zum Abschluss lud die Betreiberin der Seniorenwohnanlage im Amalienweg zu Kaffee und Kuchen ein.

Eine Gemeinde ohne historischen Ortskern

Die Pointe der Führung passte Hauke Hansen gleich mit an: Ein historischer Ortskern im klassischen Sinn hat Kronshagen nie gehabt. Vor rund 125 Jahren war das Gemeindegebiet in der Hand einer Handvoll Bauern; erst ab 1910 verkauften sie nach und nach Land, während die Marinestadt Kiel wuchs. Spekulanten und Konsortien kauften im großen Stil Kronshagener Boden und machten daraus die geplante Gartenstadt Kronshagen – ein Ortskern mit Rathaus, Kirche oder Versammlungshaus war dabei nie vorgesehen.

Die Stationen der Tour

Die Route startete am Rathausmarkt und führte über neun Stationen:

  • Sparkassengebäude, Kieler Straße 84: 1923 im Stil der Heimatschutzarchitektur errichtet – entworfen vom Architekten Arnold Bruhn, zunächst Verwaltungsgebäude des Landwirtschaftlichen Bezugsvereins, seit den späten 1920er Jahren mit der Sparkasse als Mieterin.
  • Alter Bahnhof, Bahnhofsweg: Seit 1881 lief die Bahnstrecke durch Kronshagen, 1906 folgte das Empfangsgebäude mit Lagerschuppen und Gütergleis. 1981 wurde der Haltepunkt aufgegeben, seit Dezember 2014 hält die Bahn wieder.
  • Bahnhofshotel, Kieler Straße 90: Schon 1904 eröffnet, heute als Nostimo bekannt; der Saal war im Lauf der Jahrzehnte Veranstaltungssaal, Kino, Lebensmittelmarkt und Tanzschule.
  • Ehemalige Kiesgrube, Am Holm: Aus einer Sand- und Kiesgrube der Bauern wurde in den 1950er Jahren der erste Kinderspiel- und Bolzplatz der Gemeinde.
  • Papageiensiedlung, Steindamm/Holländerey: Die Neue Heimat baute hier in den 1950ern günstige Reihen- und Einfamilienhäuser; farbige Fassaden in blau, gelb und rosa gaben der Siedlung ihren Namen – erhalten ist davon heute nichts mehr.
  • Reetdach-Kate, Dorfstraße 26: Die Melkerkate von 1869 ist das letzte Gebäude dieser Art in Kronshagen; sie steht versteckt hinter Bäumen und Hecke.
  • Gaststätte Brunos Lust, Dorfstraße 3: Seit 1892 der Begegnungsort der Gemeinde, 1997 durch Feuer zerstört. Die Brüder Franz und Bruno Steffen aus der Gastwirtsfamilie machten 1910 mit selbstgebauten Fluggeräten von sich reden.
  • Alte Amtsstube, Claus-Sinjen-Straße: Landwirt Claus Sinjen, von 1887 bis 1910 Gemeinde- und Amtsvorsteher, lenkte von hier die Geschicke der Gemeinde; heute gehört das Haus der Gemeinde und dient als Flüchtlingsunterkunft.
  • Domänen-Amtshaus: Das Pächterwohnhaus der historischen Domäne diente ab 1768 als Amtshaus und Verwaltungssitz des Amtes Kronshagen und wird heute privat genutzt.

Der Kultur Kreis Kronshagen plant die Rundgangsreihe als Fortsetzung; Teilnehmerplätze sind jeweils begrenzt, Anmeldungen laufen über den Verein.

Quellen

Manuskript und Stationsliste des Ortschronisten Hauke Hansen zum historischen Rundgang am 5. September 2026 (Rückblicksseite des Kultur Kreises Kronshagen: kultur-kreis-kronshagen.de); Fotos: Wolfgang Sauermann.