Start / Politik / Kommentar: Kronshagen braucht den besseren Takt

Kommentar: Kronshagen braucht den besseren Takt

KI-generiertes Symbolbild: Symbolbild: Szene eines blau-gelben Regionalzuges an einem Bahnsteig

Bildhinweis: Das Beitragsbild ist KI-generiert und dient als Symbolbild. Es zeigt keine dokumentarische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

Kronshagen hat etwas, das viele Umlandgemeinden nicht haben: einen eigenen Bahnhalt mit kurzer Fahrt nach Kiel. Doch in den großen Plänen taucht die Gemeinde fast nur als Nachbar Kiels auf. Wer den nächsten Schritt – den dichteren Takt – will, muss ihn aktiv einfordern.

Fangen wir mit der guten Nachricht an, weil sie gern übersehen wird: Kronshagen ist ans Schienennetz angebunden. Am Haltepunkt Kronshagen an der Kieler Straße hält die Regionalbahn RB73, in rund zehn Minuten ist man am Kieler Hauptbahnhof; im Norden erschließt der Halt Suchsdorf an der Eckernförder Straße die Gemeinde zusätzlich. Das ist mehr, als viele Stadtrandgemeinden vorzuweisen haben. Wer über Kronshagens Nahverkehr schreibt, sollte das nicht kleinreden.

Aber: Dieser Halt wird nur etwa im Stundentakt bedient. Ein Zug pro Stunde ist solide, aber kein Angebot, mit dem man das Auto wirklich stehen lässt. Genau hier liegt der eigentliche Gewinn, der auf dem Tisch liegt – und das Muster, das stutzig macht.

Denn in fast jeder größeren Planung ist Kronshagen „mitgemeint“, nie die Hauptperson. Im Landesweiten Nahverkehrsplan steht eine Regio-S-Bahn auf der Strecke Kiel–Eckernförde mit dichterem, perspektivisch halbstündlichem Takt und einer zusätzlichen Station „Kronshagen Schulzentrum“ – Kosten- und Zeitplan: „offen“. Die Korridore der künftigen Kieler Stadtbahn nach Mettenhof und Suchsdorf verlaufen an Kronshagens Grenze; die Gemeinde wurde wegen ihrer engen Verflechtung mit Kiel „betrachtet“, ein Halt auf eigenem Gebiet ist aber nicht beschlossen. Überall ist Kronshagen am Rand des Plans. Nirgends ist es der Punkt, um den es geht.

Das ist kein böser Wille, sondern eine Folge der Zuständigkeiten. Kiel plant für Kiel; die Stadtbahn endet folgerichtig an der Stadtgrenze. Der Schwerpunkt des Kreises Rendsburg-Eckernförde liegt geografisch in der Fläche. Die NAH.SH plant das ganze Land. Wenn aber alle ein bisschen zuständig sind, ist niemand der Anwalt Kronshagens.

Fair muss man sagen: Die enge Anbindung an Kiel hat der Gemeinde viel gebracht – ein dichtes KVG-Busnetz, das eine Gemeinde dieser Größe allein nie unterhalten könnte, und eben den Bahnhalt. Und ein dichterer Takt kostet Geld: Die Regio-S-Bahn setzt einen zweigleisigen Ausbau zwischen Kronshagen Schulzentrum und der Levensauer Hochbrücke voraus, und öffentliche Mittel sind überall knapp. Wer mehr fordert, muss es begründen können.

Aber genau deshalb darf Kronshagen nicht abwarten. Die Reihenfolge in der Verkehrsplanung ist erbarmungslos: Wer seinen Bedarf nicht früh, konkret und mit Nachdruck anmeldet, steht hinten an. „Zeitplan offen“ heißt in der Praxis oft genug: irgendwann, vielleicht, nach allem anderen. Und während die großen Projekte reifen, bekommt Kronshagen schon jetzt die unbequeme Seite zu spüren – etwa die mehrmonatige Streckensperrung Richtung Eckernförde beim Neubau der Levensauer Hochbrücke 2027. Den Baulärm gibt es sicher. Den besseren Takt gibt es nur, wenn jemand dafür kämpft.

Dabei liegt das Argument auf der Hand. Eine Station am Schulzentrum stünde nicht auf der grünen Wiese, sondern dort, wo täglich Hunderte Schülerinnen und Schüler unterwegs sind – ein nachfragestarker, begründbarer Halt. Und ein Halbstundentakt statt eines Stundentakts wäre der Sprung, der die Bahn vom Notnagel zum echten Alltagsverkehrsmittel macht.

Was also tun? Die Gemeindevertretung sollte den Ausbau zur Regio-S-Bahn und die Station am Schulzentrum nicht als frommen Wunsch behandeln, sondern als politisches Ziel mit Beschluss, Begründung und Termin. Sie sollte diesen Bedarf aktiv in die Beteiligungsverfahren der NAH.SH und in den Landesweiten Nahverkehrsplan einspeisen, statt auf Einladungen zu warten. Sie sollte sich in die Stadtbahn-Dialoge für die grenznahen Abschnitte einbringen und prüfen lassen, ob ein Halt auf Kronshagener Seite realistisch ist. Und sie sollte Verbündete suchen: Eine Gemeinde allein ist leicht zu überhören, eine abgestimmte Stimme der Umlandkommunen in der KielRegion nicht.

Nahverkehr entscheidet sich nicht am Bahnsteig, sondern Jahre vorher am Planungstisch. Kronshagen hat dort schon einen Sitz – es sollte aufhören, ihn nur als Gast zu nutzen.


Dies ist ein Kommentar und gibt die Meinung der Redaktion wieder. Die zugrunde liegenden Fakten sind im zugehörigen Bericht „ÖPNV und Nahverkehr: Was Kreis, Kiel und NAH.SH für Kronshagen bedeuten“ nachzulesen.

Markiert: