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Open Library in Kiel: Auch ein Modell für Kronshagen?

Innenraum der Stadtteilbücherei Pries/Friedrichsort mit Bücherregalen und Sitzbereichen

Am 15. Juli startet in der Stadtteilbücherei Pries/Friedrichsort Kiels erste dauerhafte Open Library. Die Räume können dann an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 21 Uhr genutzt werden – auch außerhalb der Zeiten, in denen Bibliothekspersonal vor Ort ist.

Das Modell verlängert nicht einfach die Personalzeiten. Es trennt vielmehr zwischen Servicezeiten mit Beratung und servicefreien Öffnungszeiten, in denen registrierte Nutzerinnen und Nutzer die Bibliothek selbstständig betreten und nutzen.

Wie eine Open Library funktioniert

In Friedrichsort erhalten Personen ab 18 Jahren mit gültigem Büchereiausweis Zugang. Während der servicefreien Zeiten müssen Ausleihe und Rückgabe weitgehend in Selbstbedienung funktionieren. Dafür werden üblicherweise der Bibliotheksausweis, eine elektronische Zugangskontrolle und Selbstverbuchungstechnik miteinander verbunden.

Zum Konzept gehören je nach Gebäude außerdem automatisch gesteuerte Türen, Licht, Alarm- und Lautsprecheranlagen sowie eine datenschutzkonforme Sicherheitslösung. Fachstellen weisen darauf hin, dass Technik nur ein Teil des Projekts ist: Benutzungsordnung, Brandschutz, Barrierefreiheit, Reinigung, Störungsmanagement und der Schutz persönlicher Daten müssen ebenfalls geregelt werden.

98 Stunden Zugang, 20 Stunden Service

Die Kieler Open Library ist montags bis sonntags jeweils 14 Stunden zugänglich. Das ergibt 98 Öffnungsstunden pro Woche. Personal ist nach den veröffentlichten Zeiten an vier Tagen insgesamt rund 20 Stunden vor Ort.

Während dieser Servicezeiten können Fragen geklärt, Ausweise ausgestellt und Beratungsangebote genutzt werden. Außerhalb davon bleibt die Bibliothek vor allem ein Ort zum Lesen, Lernen, Arbeiten und Begegnen. Der Makerspace in Friedrichsort ergänzt dieses Konzept; für seine selbstständige Nutzung gelten eigene Voraussetzungen.

Wie sieht es derzeit in Kronshagen aus?

Die Gemeindebücherei Kronshagen ist nach den aktuellen Angaben der Gemeinde montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Das sind insgesamt 35 Stunden pro Woche; mittwochs ist geschlossen.

Ein Open-Library-Modell könnte den Zugang besonders für Berufstätige, Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie Familien erweitern. Zugleich ließen sich vorhandene Räume länger als Lern-, Arbeits- und Begegnungsort nutzen. Es wäre jedoch kein Ersatz für Fachpersonal: Beratung, Veranstaltungen, Medienpflege und Hilfe bei technischen oder inhaltlichen Fragen bleiben personalgebundene Aufgaben.

Wäre das Modell für Kronshagen geeignet?

Das lässt sich derzeit nicht belastbar beantworten. Vor einer Entscheidung wären mindestens folgende Punkte zu prüfen:

  • Bedarf: Zu welchen Zeiten wünschen die Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich zusätzlichen Zugang?
  • Gebäude: Lassen sich Eingang, Notausgänge, Beleuchtung und einzelne nicht öffentliche Bereiche sicher steuern?
  • Technik: Sind Bibliotheksausweise, Medienbestand und Verbuchung bereits für Selbstbedienung geeignet oder was würde deren Ertüchtigung kosten?
  • Sicherheit und Datenschutz: Welche Zugangsdaten werden gespeichert, und wäre eine Videoüberwachung erforderlich und verhältnismäßig?
  • Zugänglichkeit: Wie können auch Menschen teilnehmen, die mit Technik weniger vertraut sind oder Unterstützung benötigen?
  • Kosten: Welche Investitionen, laufenden Wartungs- und Energiekosten entstehen, und welche Förderung ist möglich?

Ein Pilot statt sofortiger Vollbetrieb?

Eine mögliche Vorgehensweise wäre zunächst eine Bedarfsabfrage, gefolgt von einer technischen und baulichen Prüfung gemeinsam mit Bibliotheken SH. Danach könnte die Gemeinde entscheiden, ob ein begrenzter Pilot – etwa an einzelnen Abenden oder am bislang geschlossenen Mittwoch – sinnvoll ist.

Erst ein solcher Test könnte zeigen, wie stark zusätzliche Zeiten genutzt werden, welche Unterstützung nötig bleibt und ob Kosten und Nutzen für Kronshagen zusammenpassen. Das Kieler Beispiel liefert dafür einen regionalen Anschauungsfall, aber noch keine fertige Antwort für die Gemeinde.


Quellen: Landeshauptstadt Kiel: Stadtteilbücherei Pries/Friedrichsort · Gemeinde Kronshagen: Öffnungszeiten der Gemeindebücherei · Bibliotheken SH: Bibliothekseinrichtung und Planung · Regierungspräsidium Karlsruhe: Konzept Open Library

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