Zum Inhalt
KronshagenNewsNachrichten, Einordnung und Dokumentation für Kronshagen

Kronshagen · Kronshagen

Deutscher Bauherrenpreis für Kronshagener Backsteinhof

Die Baugenossenschaft Mittelholstein erhält für den Roten Backsteinhof am Rathausmarkt den Deutschen Bauherrenpreis 2026. Die Jury würdigt das Ensemble als vorbildliches Beispiel für bezahlbaren und qualitätsvollen Wohnungsbau.

Christian Muschick ·

Roter Backsteinhof am Rathausmarkt in Kronshagen - Backsteinarchitektur mit Satteldächern
Roter Backsteinhof am Rathausmarkt, Kronshagen. Foto: Bernd Perlbach / Deutscher Bauherrenpreis 2026

Mit dem Roten Backsteinhof am Rathausmarkt hat ein Kronshagener Bauprojekt die wichtigste Auszeichnung im deutschen Wohnungsbau erhalten. Eine interdisziplinäre Fachjury wählte das Ensemble der Baugenossenschaft Mittelholstein (bgm) am 29. Juni 2026 in Berlin als eines von fünf Hauptpreisträgern aus 176 bundesweiten Einreichungen aus. Der Deutsche Bauherrenpreis wird vom Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA und dem Deutschen Städtetag vergeben und vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen unterstützt.

Neue Ortsmitte nach 30 Jahren

Der Rote Backsteinhof bildet die neue Ortsmitte Kronshagens. In sechs Gebäuden entstanden 46 genossenschaftliche Mietwohnungen, davon zehn öffentlich gefördert, sowie 15 Eigentumswohnungen, eine Tiefgarage, Läden, ein Café, ein Co-Working-Bereich und ein Marktplatz. Die Gebäude umfassen ein rund 5.000 Quadratmeter großes Areal an der Kieler Straße und der Kopperpahler Allee. Entworfen wurde das Ensemble vom Kieler Büro BSP Architekten. Die Freiraumplanung lag bei Trüper Gondesen und Partner aus Lübeck.

Die Gemeindevertretung hatte sich im Juni 2020 einstimmig für den Entwurf ausgesprochen, nachdem ein fast 30-jähriger Entscheidungsprozess zur Ortskernentwicklung vorausgegangen war. Im November 2021 erfolgte die Grundsteinlegung, im Frühjahr 2024 wurden die Wohnungen fertiggestellt.

Bezahlbar und vielfältig

Die Wohnflächen der Genossenschaftswohnungen reichen von 40 bis 140 Quadratmetern und richten sich an unterschiedliche Haushaltsgrößen. Zehn der barrierefreien Wohnungen wurden über die soziale Wohnraumförderung des Landes Schleswig-Holstein finanziert – acht 2-Zimmer-Wohnungen im 1. Förderweg und zwei 3-Zimmer-Wohnungen im 2. Förderweg. Das Land förderte das Projekt mit rund 1,9 Millionen Euro. In der Ausstattung gibt es keinen Unterschied zwischen geförderten und frei finanzierten Wohnungen: Alle Genossenschaftswohnungen verfügen über Einbauküchen und Loggien und sind bis auf wenige Ausnahmen barrierefrei.

Wirtschaftliches Bauen mit Baukultur

Die Jury begründete die Auszeichnung mit der Verbindung von wirtschaftlichem Bauen, hoher Wohnqualität und Baukultur. Die Architektur greift stadträumliche Maßstäblichkeit auf und setzt auf ortstypische Elemente wie Satteldächer und Ziegelmaterialität, übersetzt in eine zeitgemäße, robuste Gestaltung. Während die Genossenschaftsgebäude in klassischer Backsteinarchitektur gestaltet sind, präsentieren sich die Eigentumswohnungen im modernen Bauhausstil.

Ein begrünter, öffentlich zugänglicher Innenhof verbindet die Gebäude. Durchlässe mit durchlässigen Belägen, vielfältige Pflanzungen und berankte Baumskulpturen tragen zu Versickerung, Verdunstung und Verschattung bei. Durch einfache, klare Konstruktionen, reduzierte Bauteilquerschnitte und weitgehend standardisierte Elemente konnten Bau- und Folgekosten nachhaltig gesenkt werden.

Energieversorgung und Mobilität

Die Gebäude wurden im energieeffizienten KfW-Standard 55 errichtet. Die Energieversorgung erfolgt zentral über vier kaskadierende Luftwärmepumpen, deren Strombedarf durch Photovoltaik und Ökostrom gedeckt wird. Der bewusste Einsatz einfacher Gebäudetechnik sichert dauerhaft niedrige Betriebs- und Instandhaltungskosten. Eine Tiefgarage mit 61 Stellplätzen sorgt für ein autofreies Areal, ergänzt durch E-Ladeboxen und über 100 Fahrradstellplätze.

Investition und Förderung

Die bgm investierte rund 17 Millionen Euro in den Bau der 46 genossenschaftlichen Mietwohnungen, der Tiefgarage und der Gewerbeflächen. Die Gesamtkosten für das Quartier inklusive der 15 Eigentumswohnungen beliefen sich auf 23 Millionen Euro. Bürgermeister Ingo Sander hatte bei der Fertigstellung im Mai 2024 die enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Genossenschaft hervorgehoben und von einem „sehr zufriedenen Bürgermeister“ gesprochen.

Der Deutsche Bauherrenpreis steht unter dem Motto „Hohe Qualität – tragbare Kosten“ und feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Die Jury unter Vorsitz des ehemaligen Hamburger Oberbaudirektors Jörn Walter nominierte 30 Projekte und zeichnete fünf mit dem Hauptpreis aus. Drei weitere Projekte erhielten Sonderpreise.

Quellen: Deutscher Städtetag (30. Juni 2026); Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA (29. Juni 2026); Baugenossenschaft Mittelholstein eG (30. Juni 2026); deutscherbauherrenpreis.de. Foto: Bernd Perlbach.