Zum Inhalt
KronshagenNewsNachrichten, Einordnung und Dokumentation für Kronshagen

Politik

Nahverkehrsplan: Busverkehr-Finanzierung bleibt offen

Der neue Landesnahverkehrsplan setzt zahlreiche Schienenprojekte auf die Agenda. Für die Busverbindungen zwischen Bahnhöfen und Gemeinden bleibt jedoch die Finanzierungsfrage entscheidend.

Christian Muschick ·

Bild: Archiv- und Symbolfoto: KVG-Bus in Kiel während der Kieler Woche 2024. Das Bild zeigt nicht die Linien 34 oder 81. Foto: E bzk, CC0, via Wikimedia Commons.

Bildhinweis: Das Beitragsbild ist KI-generiert und dient als Symbolbild. Es zeigt keine dokumentarische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

Der Landesweite Nahverkehrsplan 2027 bis 2031 beschreibt neue Bahnverbindungen, Streckenausbauten und Maßnahmen für mehr Zuverlässigkeit. Zugleich macht der Plan deutlich, dass nicht alle Projekte finanziell abgesichert sind. Beim Busverkehr liegt die Verantwortung zudem überwiegend bei den Kreisen und kreisfreien Städten.

Schiene ist nur ein Teil des Systems

Für Kronshagen ist die Verknüpfung entscheidend: Bahn, Kieler Stadtbusse und Regionalbusse müssen zusammenpassen. Der Nahverkehrsplan nennt den straßengebundenen ÖPNV ausdrücklich als Zubringer zur Schiene und als eigenständige Verbindung. Konkrete Fahrpläne oder eine dauerhafte Finanzierung einzelner Buslinien legt er aber nicht fest.

Der Plan selbst weist darauf hin, dass Projekte mit und ohne gesicherte Finanzierung aufgenommen wurden. Damit bleibt offen, welche Vorhaben innerhalb des Planungszeitraums tatsächlich umgesetzt werden können.

SSW beziffert starken Kostenanstieg

Die SSW-Landtagsfraktion kritisiert vor diesem Hintergrund die Finanzierung des Busverkehrs. Grundlage sind Zahlen des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages: Danach stieg der von den Kreisen selbst aufzubringende Betrag von 34,2 Millionen Euro im Jahr 2019 auf voraussichtlich 163 Millionen Euro 2026. Gemeint sind also nicht die gesamten Betriebskosten aller Busse, sondern der kommunale Zuschussbedarf. Die Landes- und Regionalisierungsmittel erhöhten sich im selben Zeitraum nach Angaben des Landkreistages lediglich von 63,6 auf 82,2 Millionen Euro. Ein großer Teil des Anstiegs entsteht deshalb dadurch, dass die kommunale Ebene eine wachsende Finanzierungslücke übernimmt – nicht dadurch, dass dieselbe Busleistung plötzlich fünfmal so teuer geworden wäre.

Was die Finanzierungslücke vergrößert

Mehrere Belastungen kommen zusammen: Energie, Personal und Verkehrsverträge wurden teurer; bei Ausschreibungen waren bereits Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent für vergleichbare Leistungen Thema. Hinzu kommen Investitionen in emissionsfreie Busse und Ladeinfrastruktur aufgrund gesetzlicher Klimavorgaben. Der Landkreistag bemängelt, dass dafür kein ausreichender Mehrbelastungsausgleich zur Verfügung stehe.

Ein weiterer großer Block ist die Schülerbeförderung mit dem Deutschlandticket. Der Ticketpreis stieg seit 2023 von 49 über 58 auf inzwischen 63 Euro monatlich. Nach der Zusammenfassung des Landtages erhöhten sich die entsprechenden Ausgaben der Kreise bis 2025 um 80 Prozent auf 72,8 Millionen Euro. Die Landesregierung hält dem entgegen, dass die Ausgabe bundesweit gültiger Deutschlandtickets an Schülerinnen und Schüler gegenüber früheren Schulwegkarten auch eine Leistungsausweitung sei. Der außergewöhnliche Sprung beim kommunalen Zuschussbedarf ist damit eine Mischung aus allgemeinen Preissteigerungen, höheren Tarifkosten, neuen gesetzlichen Standards, dem teureren Deutschlandticket und einem Landeszuschuss, der mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten hat.

Der Grundkonflikt bleibt: Das Land verantwortet den Schienenpersonennahverkehr, Kreise und kreisfreie Städte organisieren den Busverkehr. Ein verbundenes Netz entsteht nur, wenn beide Ebenen ihre Angebote finanzieren können.

Einordnung: Trägt der SSW Mitverantwortung?

Der SSW gehört politisch zu den klaren Unterstützern des Deutschlandtickets. Die Partei bezeichnete seine Fortführung 2023 als „alternativlos“, wandte sich gegen Preissteigerungen und forderte zusätzlich ein landesweit vergünstigtes Bildungsticket, ein Sozialticket sowie kostenlose Deutschlandtickets für Freiwilligendienstleistende. Damit hat der SSW Leistungen befürwortet, die zusätzliche öffentliche Mittel erfordern. Urheber oder entscheidender Treiber des Deutschlandtickets war die Minderheitenpartei allerdings nicht: Eingeführt wurde es auf Bundesebene durch SPD, Grüne und FDP in Abstimmung mit den Ländern. In Schleswig-Holstein vereinbarten Landesregierung und kommunale Landesverbände anschließend das Bildungsticket.

Schon 2023 verlangte der SSW ausdrücklich eine „faire Kostenkulisse für Kreise und kreisfreie Städte“. Seine heutige Position ist deshalb nicht zwingend widersprüchlich: Man kann ein günstiges Ticket unterstützen und zugleich verlangen, dass Bund und Land die Folgekosten tragen. Verkürzt ist jedoch die Darstellung, die kommunalen Aufwendungen seien schlicht als „Kosten für den Busverkehr“ von rund 32 auf 160 Millionen Euro explodiert. Sie lässt in den Hintergrund treten, dass ein Teil des Anstiegs aus einer politisch gewollten Ausweitung der Schülerbeförderung auf ein bundesweit gültiges Ticket stammt, die der SSW selbst begrüßt hat.

Auch rechnerisch erklärt das Deutschlandticket nicht den gesamten Sprung. Die Ausgaben der Kreise für die entsprechenden Schülertickets lagen 2025 bei 72,8 Millionen Euro und damit 80 Prozent höher als zuvor. Daraus ergibt sich näherungsweise ein Mehrbetrag von rund 32,4 Millionen Euro. Der gesamte kommunale Zuschussbedarf nahm zwischen 2019 und der Prognose für 2026 um rund 128,8 Millionen Euro zu. Wegen unterschiedlicher Bezugsjahre ist das nur eine Größenordnung; sie spricht aber dafür, dass das Schülerticket einen großen Kostenblock bildet, jedoch nicht den überwiegenden Teil des Anstiegs erklärt.

Bewertung: Die Position des SSW ist nicht grundsätzlich widersprüchlich. Eine Partei kann ein günstiges, bundesweit gültiges Ticket befürworten und zugleich verlangen, dass Bund und Land die kommunalen Aufgabenträger verlässlich finanzieren. Der SSW hat bereits 2023 auf eine faire Kostenverteilung für Kreise und kreisfreie Städte gedrungen und hält damit erkennbar an derselben Grundlinie fest.

Zur vollständigen Einordnung gehört dennoch, dass das Deutschlandticket und insbesondere seine Nutzung in der Schülerbeförderung ein wesentlicher Baustein des gestiegenen kommunalen Finanzierungsbedarfs sind. Eine stärkere Beteiligung von Bund oder Land würde die Kreise entlasten, die Kosten aber nicht beseitigen, sondern auf eine andere staatliche Ebene verlagern. Das Deutschlandticket ist dabei nicht der einzige Kostentreiber: Hinzu kommen höhere Personal-, Energie- und Betriebskosten, teurere Verkehrsverträge sowie der Umstieg auf emissionsfreie Busse. Die vom SSW verwendete Kurzformel vom starken Anstieg der „Kosten für den Busverkehr“ bedarf deshalb dieser Differenzierung, ohne dass daraus ein grundsätzlicher Widerspruch in seiner politischen Position folgt.

Folgen zeigen sich auf der letzten Meile

Für Fahrgäste in Kronshagen entscheidet sich die Qualität des Landesplans nicht nur an neuen Regionalexpresslinien. Wichtig sind Anschlüsse am Bahnhof, verlässliche Busverbindungen nach Kiel und in den Kreis sowie funktionierende Ersatzverkehre bei Störungen.

Der neue Plan setzt dafür einen Rahmen. Ob daraus ein dichteres und zuverlässigeres Gesamtangebot entsteht, hängt von späteren Haushaltsentscheidungen des Landes, des Kreises und der Landeshauptstadt ab.

Quellen