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Gesellschaft

Azubiwerk: Landtag berät neues Hilfsangebot

Ein neues Azubiwerk soll Auszubildende bei Wohnen, Geldsorgen und Krisen unterstützen. Kammern fordern andere Schwerpunkte.

Christian Muschick ·

Kiel/Kronshagen. Schleswig-Holstein will eine neue Anlaufstelle für Auszubildende schaffen. Ein Gesetzentwurf von CDU und Grünen sieht ein landesweites Auszubildendenwerk vor. Die Einrichtung soll bei bezahlbarem Wohnen, finanziellen Schwierigkeiten und persönlichen Krisen helfen. Nach der ersten Lesung im Landtag ist das Vorhaben noch nicht beschlossen.

Das geplante Azubiwerk soll als Anstalt des öffentlichen Rechts errichtet werden. Träger wäre das Land, die Rechtsaufsicht läge beim für berufliche Bildung zuständigen Ministerium. Anders als beim Studentenwerk sollen Auszubildende keine Pflichtbeiträge zahlen. Vorgesehen ist eine Finanzierung über Mieten und andere Entgelte sowie über Zuwendungen des Landes oder Dritter.

Wohnraum, finanzielle Hilfe und Beratung

Der Gesetzentwurf nennt drei Kernaufgaben. Das Azubiwerk soll bezahlbaren Wohnraum bereitstellen, bestehende finanzielle Hilfen bündeln und eigene Angebote wie eine Azubistarthilfe oder einen Notlagenfonds aufbauen. Außerdem sind soziale und psychologische Beratungsangebote vorgesehen. Das Angebot soll neben der dualen Ausbildung unter anderem auch schulische Berufsausbildungen, bestimmte Ausbildungen im öffentlichen Dienst und berufliche Umschulungen umfassen.

Die Landesregierung plant ab 2027 einen jährlichen Zuschuss von bis zu sieben Millionen Euro. Konkrete Standorte für Wohnheime oder Beratungsstellen nennt der Gesetzentwurf noch nicht. Für Auszubildende in Kronshagen und im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist deshalb vor allem offen, wie stark regionale Wege, Berufsschulstandorte und örtliche Wohnungsmärkte in die spätere Ausgestaltung einfließen.

SSW fordert stärkeren Regionalbezug

Der SSW unterstützt das Ziel grundsätzlich, verlangt aber Änderungen. Ein Änderungsantrag sieht vor, regionale Bedarfe ausdrücklich zu berücksichtigen, Angebote landesweit zugänglich zu machen und besondere Belastungen durch Mobilität einzubeziehen. Zugleich sollen vorhandene Beratungs- und Unterstützungsstrukturen genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden.

In einem weiteren Antrag fordert der SSW, eine angekündigte Markt- und Bedarfsanalyse nach Fertigstellung unverzüglich dem Landtag vorzulegen. Die Ergebnisse sollen bei der Verteilung von Wohnangeboten und beim Aufbau der Einrichtung berücksichtigt werden.

Kammern kritisieren zentrale Struktur

Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern lehnen das Azubiwerk in der derzeit geplanten Form ab. Sie befürchten hohe Verwaltungskosten und fordern stattdessen direkte Hilfen und regionale Lösungen. Grundlage ihrer Kritik sind Befragungen unter rund 2.842 Auszubildenden in IHK-Berufen und 1.085 Auszubildenden im Handwerk.

Nach Angaben der IHK sind mehr als 80 Prozent der befragten IHK-Auszubildenden mit ihrer Wohnsituation zufrieden oder bewerten sie neutral. 88 Prozent wünschen sich demnach eine eigene Wohnung; nur rund zehn Prozent nennen Wohnheim oder Wohngemeinschaft als bevorzugte Wohnform. Im Handwerk liegt der Schwerpunkt nach Angaben der Kammern stärker bei langen Wegen: Knapp 43 Prozent der Befragten brauchen länger als 45 Minuten für den einfachen Weg zur Berufsschule.

Die Kammern schlagen unter anderem ein landesweites Azubi-Ticket, Zuschüsse für Miet- und Fahrtkosten, Unterkünfte an Berufsschulstandorten und mehr Unterstützung für betriebliche Wohnprojekte vor. Der Gesetzentwurf verweist dagegen auf eine bundesweite Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Danach sehen in Schleswig-Holstein 73 Prozent der beteiligten Betriebe Handlungsbedarf bei bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende.

Wie es weitergeht

Der Landtag hat den Entwurf am 17. September 2026 in erster Lesung beraten. Damit ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Im weiteren Verfahren können die Abgeordneten den Entwurf und die Änderungsanträge überarbeiten. Auch die angekündigte Markt- und Bedarfsanalyse dürfte für die konkrete Ausgestaltung eine wichtige Rolle spielen.

Quellen

Stand: 18. September 2026. Beitragsbild: historisches Symbolbild einer Berufsbildungsstätte in Kiel, aufgenommen 1974. Foto: Friedrich Magnussen/Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons; zugeschnitten.