Mehrere Landtagsfraktionen drängen beim Thema Kita aufs Tempo: Die Fraktionen von FDP, SPD und SSW haben in Schleswig-Holstein gefordert, eine umstrittene Auslastungsregel für Kitas auszusetzen. Kern des Antrags (Drucksache 20/4773, 2. Fassung): Die sogenannte 93-Prozent-Regelung nach § 13 Absatz 7 des Kindertagesförderungsgesetzes soll bis zum Ende der 20. Wahlperiode nicht angewendet werden. Der Landtag berät den Antrag am Mittwoch, 16. September 2026, im Plenum.
Warum die Fraktionen die Regelung kritisieren
Die 93-Prozent-Regelung ist zum 1. August 2026 in Kraft getreten. Sie hängt die Kita-Bedarfsplanung an Auslastungsquoten. Die drei Fraktionen argumentieren, aus rechnerischen Auslastungswerten ließe sich derzeit nicht belastbar auf flächendeckende Überkapazitäten schließen. Zur Begründung verweisen sie auf landesweit 10.081 außerplanmäßige Schließungen und Einschränkungen der Öffnungszeiten auf Gruppenebene allein von Januar bis Juni 2026 – sowie auf erhebliche Lücken in der Datengrundlage. In der Anhörung zum Gesetz sei zudem auf unterschiedliche Methodik, Datenbasis und Prognosequalität der Bedarfsplanung hingewiesen worden.
Hinter dem Streit steht ein reales Konfliktpotenzial: Werden Plätze wegen rechnerischer Unterauslastung abgebaut, treffen das Familien, deren Betreuungsplätze wegbrechen – und die Kommunen, die Investitionen in Einrichtungen getätigt haben. In Bad Oldesloe hatte die Stadt Träger jüngst aufgefordert, freie Plätze nicht an Kinder aus anderen Kommunen zu vergeben. Das Sozialministerium stellte dazu klar, dass eine solche Freihaltung von Plätzen gegen § 18 Absatz 5 KiTaG verstößt; aus freien Plätzen lasse sich nicht ohne Weiteres auf fehlenden Bedarf schließen.
Was die Fraktionen fordern
Konkret verlangt der Antrag, die Anwendung der 93-Prozent-Regelung bis zum Ende der Wahlperiode auszusetzen. Zwischenzeitlich soll die Kita-Bedarfsplanung gemeinsam mit Kreisen und kreisfreien Städten auf eine belastbare, landesweit vergleichbare Datengrundlage gestellt werden – unter Wahrung der kommunalen Planungsverantwortung und Koordinierung durch das Land. Die Fraktionen wollen zudem die Verknüpfung mit der Kita-Datenbank vorantreiben und die laufende Fachkräftevorausberechnung der TU Dortmund einbeziehen. Außerplanmäßige Schließungen und Einschränkungen sollen künftig stärker in die Planung einfließen; bestehende Datenlücken sollen geschlossen und Doppel- und Mehrfachmeldungen verhindert werden.
Personal: Zahlen aus der Kreis-Region
Der Antrag ist Teil einer laufenden Kita-Debatte, zu der das Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung in mehreren Kleinen Anfragen Zahlen geliefert hat. Demnach haben seit 2022 landesweit 139 Personen einen geförderten Quereinstieg in den Kita-Beruf erfolgreich abgeschlossen; 30 weitere befinden sich aktuell in einem Kurs. Für den Kreis Rendsburg-Eckernförde, zu dem Kronshagen gehört, weist die Landesstatistik 16 begonnene und 15 abgeschlossene Quereinstiege aus. Die Qualifizierung „SPA als Gruppenleitung“ haben seit 2025 insgesamt 26 Personen absolviert, weitere 14 sind in laufenden Kursen. Wie viele davon aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde kommen, lässt sich nach Angaben des Ministeriums nicht aufschlüsseln.
Auf eine weitere Detailfrage des Landtags antwortete das Ministerium, dass die Regelung zur Mindestanwesenheit von Betreuungskräften in Kitas (§ 27 KiTaG) ausschließlich eine förderrechtliche Vorgabe sei. Sie verlange nicht, dass sich jederzeit eine pädagogische Fachkraft bei derselben Kindergruppe aufhält; wie Betreuung konkret organisiert wird, entscheiden Aufsichtspflicht und Kindeswohl vor Ort.
Ausblick
Der Landtag berät den Antrag voraussichtlich ab 11 Uhr. Ob die Koalitionsmehrheit die Aussetzung trägt, war vor der Sitzung nicht absehbar: Der Antrag stammt mit der SPD-Fraktion zwar auch von einer Regierungspartei – CDU und Grüne als weitere Koalitionsfraktionen sind jedoch nicht Mitträger. Das Ergebnis der Beratung bleibt abzuwarten.
Hintergrund: Wie lückenhaft die Kita-Ausfalldaten im Kreis Rendsburg-Eckernförde bisher sind, hat kronshagen.news hier beleuchtet: Kita-Ausfälle: Kreis-Daten bleiben lückenhaft.
Quellen: Landtag Schleswig-Holstein, Drucksache 20/4773 (neu) – Antrag Kita-Plätze nicht vorschnell abbauen; Drucksache 20/4726 – Quereinstieg und SPA als Gruppenleitung; Drucksache 20/4728 – Umgang mit freien Kapazitäten; Drucksache 20/4729 – Betreuung durch Hilfskräfte; Beratungsfolge 45. Plenartagung



