Bildhinweis: Das Beitragsbild ist KI-generiert und dient als Symbolbild. Es zeigt keine dokumentarische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.
Katastrophenschutz ist ein Thema, das in ruhigen Zeiten schnell abstrakt wirkt. Genau dann muss darüber gesprochen werden. Vorsorge ist günstiger und menschlicher als hektische Reparatur im Ernstfall.
Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. In der Praxis ist es das Gegenteil. Denn Schutz vor Katastrophen verteilt sich in Deutschland über drei Ebenen, die im Normalbetrieb selten zusammen genannt werden – und im Ernstfall trotzdem gemeinsam funktionieren müssen. Der Bund ist für den Zivilschutz zuständig, also für den Schutz im Verteidigungs- und Spannungsfall. Die Länder verantworten den Katastrophenschutz, etwa bei Naturkatastrophen. Und ganz unten, dort wo es konkret wird, organisieren die Kommunen Feuerwehr, Rettungsdienst und Krisenstäbe. Wer bei einem Großbrand, einem Sturm oder einem länger andauernden Stromausfall hilft, kommt nicht aus Berlin. Er kommt aus dem Gerätehaus um die Ecke.
Der Bund schiebt Milliarden an – die Frage ist, wo sie ankommen
Auf Bundesebene hat sich zuletzt einiges bewegt. Das Kabinett hat im Mai 2026 die Eckpunkte für einen „Pakt für den Bevölkerungsschutz“ beschlossen: bis 2029 sollen zehn Milliarden Euro in zivile Verteidigung und Bevölkerungsschutz fließen. Geplant sind unter anderem mehr als tausend Spezialfahrzeuge, zehntausende Schutzanzüge, eine Medizinische Task Force an 61 Standorten, ein milliardenschweres Bauprogramm für das Technische Hilfswerk (THW) und ein bundesweites Schutzraumkataster, das in die Warn-App NINA eingespielt werden soll.
Das ist nach Jahren der Vernachlässigung ein überfälliges Signal. Doch das eigentliche Problem entscheidet sich nicht an der Höhe der Summe, sondern an ihrem Ziel. Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes hat es offen gesagt: Es nütze wenig, vor allem in Bundesoberbehörden zu investieren – und nicht in jene, die am Ende des Tages tatsächlich Hilfe leisten. Diese Sorge teilen der Deutsche Städtetag und die Wohlfahrtsverbände. Der Kern ihrer Kritik ist banal und gerade deshalb so wichtig: Zusätzliche Aufgaben dürfen nicht auf die Kommunen verlagert werden, ohne dass die passende Finanzierung mitkommt. Ein Schutzraumkataster, eine bessere Warn-App, eine bundesweite Task Force – all das ist sinnvoll. Aber es ersetzt keine einsatzfähige Mannschaft vor Ort.
Schleswig-Holstein investiert – die Hauptlast tragen die Gemeinden
In Schleswig-Holstein ist das Bild ähnlich. Das Land will bis 2030 rund 77 Millionen Euro in den Ausbau des Katastrophenschutzes stecken, davon mehr als 23 Millionen Euro allein in Sirenen. 2024 wurden über 1.000 sogenannte Notfallinfopunkte gefördert – zentrale Anlaufstellen, die im Katastrophenfall auch dann noch Informationen liefern sollen, wenn Telefon- und Mobilfunknetze ausfallen. Das sind keine Schlagzeilen, aber genau das ist Vorsorge: unspektakulär, im Voraus, bevor sie gebraucht wird.
Bei der eigentlichen Finanzierung bleibt es jedoch beim Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung. Heißt im Klartext: Personal, Ausrüstung, Fahrzeuge und Gerätehäuser zahlen die Gemeinden zum überwiegenden Teil aus ihren eigenen Haushalten. Das Land beteiligt sich über die Feuerschutzsteuer und einzelne Förderprogramme, der Bund punktuell. Wer also über klamme kommunale Kassen und steigende Umlagen klagt – ein Dauerthema auch bei uns im Kreis –, spricht damit immer auch über den Katastrophenschutz. Beides hängt zusammen, ob man will oder nicht. Und genau hier liegt die Gefahr: Was unsichtbar ist, solange nichts passiert, lässt sich im Haushaltsstreit leicht kürzen. Beim Bevölkerungsschutz rächt sich das erst, wenn es zu spät ist.
Drei Säulen, ein System – und alle leben vom Ehrenamt
In Kronshagen ist die Lage typisch für das Land. Berufsfeuerwehren gibt es in Schleswig-Holstein nur in wenigen großen Städten – in unserer unmittelbaren Nähe in Kiel. Bei uns trägt die Freiwillige Feuerwehr die Verantwortung, so wie in den allermeisten der über 1.100 Gemeinden des Landes. Landesweit engagieren sich mehr als 50.000 Menschen in den Feuerwehren, fast ausschließlich ehrenamtlich. Sie rücken zu rund 40.000 Einsätzen im Jahr aus, und in der Regel ist Hilfe binnen zehn Minuten da.
Doch die Feuerwehr ist nicht allein. Im Ernstfall greift ein ganzes Räderwerk ineinander, und zwei Partner verdienen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit. Das Deutsche Rote Kreuz stellt mit seinem Ortsverein Kronshagen – seit 1915 vor Ort, heute rund 350 Mitglieder – im Katastrophenschutz des Kreises Rendsburg-Eckernförde eine Betreuungs- und eine Sanitätsgruppe. Wenn ein Mehrfamilienhaus brennt, ein Zug verunglückt oder bei Hitze und Eiseskälte Menschen versorgt werden müssen, sind es DRK-Kräfte, die Verpflegung, Unterkunft und sanitätsdienstliche Erstversorgung organisieren. Das Technische Hilfswerk, für unsere Region zuständig über den Ortsverband Kiel, bringt das schwere Gerät: Notstromaggregate, wenn das Netz ausfällt, Logistik, technische Hilfe bei Sturm und Hochwasser. Dass ein Kreis im Land inzwischen Tankstellen mit Notstrom vorhält, die das THW im Ernstfall versorgt, zeigt, wie konkret diese Vorsorge ist – und wie sehr sie auf Menschen beruht, die freiwillig üben, lernen und bereitstehen.
Hinter all dem steht eine stille Voraussetzung, die wir zu selten benennen: Menschen, die nachts aus dem Bett, mittags aus dem Büro und am Wochenende vom Familientisch aufstehen, weil ein Alarm losgeht. Sie tun das unbezahlt. Beim DRK ist die Mitgliedschaft für Ehrenamtliche sogar ausdrücklich kostenfrei – bezahlt wird mit Lebenszeit, nicht mit Geld. In Zeiten knapper Kassen ist dieses Ehrenamt der eigentliche Rettungsanker: Es federt ab, was die öffentlichen Haushalte längst nicht mehr allein stemmen könnten. Umso bedenklicher ist es, dieses Engagement als selbstverständlich vorauszusetzen. Wer Sirenen fördert, aber an der Ausbildung, an Fahrzeugen oder an der Freistellung durch Arbeitgeber spart, sägt am Ast, auf dem die ganze Konstruktion sitzt.
Ein Dank – und eine Bitte
Deshalb an dieser Stelle ausdrücklich: Danke. Danke den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr, den Helferinnen und Helfern von DRK und THW, den Jugendgruppen, die den Nachwuchs ausbilden, und allen, die im Hintergrund Technik warten, Dienstpläne schreiben und für andere einspringen. Diese Arbeit ist das Rückgrat unserer Sicherheit vor Ort – und sie ist ohne Ehrenamt schlicht nicht zu ersetzen.
Und genau hier kann jede und jeder etwas tun. Man muss nicht durch Flammen laufen, um zu helfen. Es braucht Aktive für den Einsatz, Menschen für Betreuung, Verpflegung, Funk, Technik und Verwaltung, Jugendliche für die Nachwuchsgruppen – und Fördermitglieder, deren Beitrag Fahrzeuge, Ausbildung und Ausrüstung mitfinanziert. Wer sich fragt, was er gegen das Gefühl der Hilflosigkeit in unsicheren Zeiten tun kann: Das hier ist eine sehr konkrete Antwort. Vorsorge ist nichts Abstraktes. Sie beginnt damit, dass genug Menschen mitmachen, bevor es brennt.
Service: Mitmachen und unterstützen in Kronshagen
Im Notfall immer zuerst: Notruf 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst), 110 (Polizei). Warnungen aufs Handy gibt es über die kostenlose Warn-App NINA des Bundes.
Freiwillige Feuerwehr Kronshagen Feuerwehrhaus, Nußbaumkoppel 1, 24119 Kronshagen Telefon: 0431 205056-0 · E-Mail: info@feuerwehr-kronshagen.de · Web: feuerwehr-kronshagen.de Reinschnuppern: jeden 1. und 3. Montag im Monat, 19:00–21:30 Uhr. Aktiver Dienst ab 18 Jahren; wer in Kronshagen wohnt oder arbeitet, ist willkommen. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Jugendfeuerwehr Kronshagen – Einstieg über die Feuerwehr erfragen.
DRK-Ortsverein Kronshagen e.V. Bahnhofsweg 1, 24119 Kronshagen Telefon: 0431 582338 · Web: drk-kronshagen.de Engagement im Betreuungs- und Sanitätsdienst des Katastrophenschutzes, in der Kleiderkammer und bei der Blutspende. Die Mitgliedschaft als ehrenamtliche Helferin oder Helfer ist kostenfrei und unverbindlich; daneben ist eine Fördermitgliedschaft möglich. Jugendrotkreuz: jeden 2. Dienstag, 17:30–19:00 Uhr.
THW – Ortsverband Kiel (zuständig für die Region Kronshagen) Georg-Feydt-Weg 35, 24109 Kiel Telefon: 0431 200098-0 · E-Mail: ov-kiel@thw.de · Web: ov-kiel.thw.de Technische Hilfe, Notstrom und Logistik im Bevölkerungsschutz. Wer mitmachen möchte, beginnt mit einer Grundausbildung; für junge Menschen gibt es die THW-Jugend. Daneben unterstützt die örtliche Helfervereinigung die Arbeit des Ortsverbands.
Kontaktdaten Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Termine und Einstiegsmöglichkeiten am besten vorab telefonisch oder per E-Mail erfragen.
Quelle/Veranstalter: Kreis Rendsburg-Eckernförde, Kreistags-/ALLRIS-System






