Bild: Dataport betreibt die neue Verwaltungsplattform in seinen Rechenzentren. Foto: FBay / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Schleswig-Holstein will nun auch die Telefonie der Landesverwaltung auf Open-Source-Technik umstellen. Das europaweite Vergabeverfahren für die Kommunikationsplattform OSKAR ist abgeschlossen. Den Zuschlag erhielt das Flensburger Unternehmen Viakom.
Umstellung soll drei bis vier Jahre dauern
Viakom soll OSKAR weiterentwickeln. Das Land ist Auftraggeber, der öffentliche IT-Dienstleister Dataport übernimmt Betrieb, Einführung und Anwenderservice. Für den flächendeckenden Wechsel nennt die Staatskanzlei einen Zeitraum von drei bis vier Jahren.
Eine Vergabesumme, die Gesamtkosten des Umbaus und die Zahl der umzustellenden Anschlüsse nennt das Land in seiner Mitteilung nicht. Auch konkrete Termine für einzelne Behörden liegen bislang nicht vor.
Zuerst werden alte ISDN-Anlagen ersetzt
Die Landesverwaltung nutzt derzeit unterschiedliche Telefonanlagen. Zentrale Grundlage ist eine Voice-over-IP-Dienstleistung der Deutschen Telekom unter dem Namen Flexport, die auf Cisco-Technik basiert. Der Servicevertrag besteht nach Angaben des Landes seit 1999.
Daneben gibt es noch alte ISDN-Anlagen, für die kein gesicherter Service mehr besteht. Diese Restbestände sollen zuerst abgelöst werden. Den Anfang machen die Hochschule für angewandte Wissenschaften Kiel und die Hochschule Lübeck.
Telefonie wird Teil der Open-Source-Strategie
OSKAR ist eine weitere Etappe beim Umbau der Landes-IT. Schleswig-Holstein hat bereits LibreOffice als Bürosoftware eingeführt, nutzt Open-Xchange für E-Mails, Nextcloud für Zusammenarbeit und Nubus als Verzeichnisdienst. Der Wechsel des Arbeitsplatzbetriebssystems auf Linux hat begonnen.
Seit Juli arbeitet das Land außerdem daran, mehr als 100 Fachverfahren abzulösen, die noch auf Microsoft Access beruhen. Dafür nutzt es die offene Low-Code-Plattform A12. Beschäftigte sollen einfachere Anwendungen künftig teilweise selbst erstellen können.
Land erwartet weniger Abhängigkeit
Die Landesregierung begründet den Wechsel mit digitaler Souveränität. Offener Quellcode soll die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern verringern und eine gemeinsame Weiterentwicklung ermöglichen. Ob die neue Telefonie für Beschäftigte sowie Bürgerinnen und Bürger tatsächlich schneller oder zuverlässiger funktioniert, lässt sich erst nach Einführung bewerten.
Auch die langfristigen Betriebskosten können anhand der bislang veröffentlichten Angaben nicht mit der bestehenden Telekom- und Cisco-Lösung verglichen werden. Für die weitere Bewertung werden daher die Vertragskosten, der Zeitplan und Erfahrungen aus den ersten Umstellungen wichtig sein.



