Der Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein wird im Jahr 2028 deutlich teurer. Die Ausgaben für die Bestellung des SPNV steigen laut Antwort des Verkehrsministeriums auf die Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Niclas Dürbrook von 362,9 Millionen Euro im Jahr 2027 auf 476,2 Millionen Euro im Jahr 2028 – ein Anstieg um 113,3 Millionen Euro. Die Antwort des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) liegt neu im Landtagssystem vor (Drucksache 20/4895 vom 9. Oktober 2026).
Höhere Trassenpreise als Dauerfaktor
Die Aufhebung der Trassenpreisbremse bleibt ein dauerhafter Kostenfaktor: Das Land weist Mehrkosten gegenüber einem Beibehalt der Bremse von 29,39 Millionen Euro für 2026 (inklusive der Erhöhung aus 2025, die frühestens 2026 zahlungswirksam wird), 19,69 Millionen Euro für 2027 und 23,89 Millionen Euro für 2028 aus. Für 2029 und 2030 sind 28,39 beziehungsweise 33,22 Millionen Euro eingeplant. Die Teilaktualisierung der Finanzplanung erfolgte vor dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln vom 1. Oktober 2026 zur Obergrenze der Gesamtkosten für die Netzfahrplanperiode 2026/2027 und soll sukzessive an neuere Erkenntnisse angepasst werden.
Einmalkosten treiben 2028
Einen wesentlichen Beitrag zum Anstieg im Jahr 2028 leistet laut Ministerium die dort geplante Generalsanierung im Streckenabschnitt zwischen Hamburg und Lübeck, die mit rund 40 Millionen Euro Zusatzkosten kalkuliert ist. Wegen Lieferverzögerungen des Herstellers Alstom sollen in den Netzen Mitte und Südwest 2028 Transferflotten mit etwa 38 Millionen Euro eingeplant werden; eine teilweise Gegenfinanzierung erfolgt über einen reduzierten Fahrzeugkaufpreis. Hinzu kommen eine für 2028 geplante Angebotsausweitung der Linien RB 76 („Hein Schönberg“) und RB 87 („Preetz-Pendel“) mit rund 3,7 Millionen Euro sowie ein Kostensprung von 7,2 Millionen Euro durch den Übergang zum neuen Vertrag Ostsee-Alster.
Regionalisierungsmittel ab 2029
Laut Antwort sollen Regionalisierungsmittel ab 2029 auch zum Ausgleich eines erwarteten Defizits im Bereich der Landes-GVFG-Mittel dienen; die Finanzplanung weist für 2029 und 2030 jeweils 41,7 Millionen Euro für „Investitionen aus Regionalisierungsmitteln und MOIN.SH“ aus. Eine belastbare jährliche Bezifferung der Finanzierungslücken bis 2035 sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, heißt es; genannt werden unter anderem die Entwicklung der Bau- und Planungskosten sowie mögliche weitere Trassenpreiserhöhungen. Für die Region ist die Entwicklung relevant, weil das Land als Aufgabenträger die zentrale Finanzierungsgröße für die Regionalzüge im Raum Kiel setzt.



