Die Bewerbung Schleswig-Holsteins als „Net Zero Valley“ kommt später als geplant. Laut Antwort der Landesregierung auf eine am 2. Oktober veröffentlichte Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Kianusch Stender und Marc Timmer soll der Antrag erst im Herbst 2026 eingereicht werden. Mit einem Ausweisungsbeschluss ist frühestens im Herbst 2027 zu rechnen.
Entsprechend sollte der Antrag nach der im Landtag veröffentlichten Roadmap eigentlich bis Ende Juli 2026 fertiggestellt und eingereicht werden. Auch die Strategische Umweltprüfung soll voraussichtlich erst im Herbst 2026 beauftragt werden; danach folgen Kabinettsbefassung und Ausweisungsbeschluss. Seit Anfang 2026 nimmt das Land am monatlichen Austausch der deutschen Net Zero Valleys teil, zuletzt am 18. September 2026.
Wer steuert, wer entscheidet
Träger der Bewerbung sind 16 Wirtschaftsförderungen, Kammern und weitere Institutionen des Landes, die am 21. August eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung unterzeichnet haben. Eine Lenkungsrunde übernimmt die strategische Ausrichtung, die operative Koordination liegt beim Netzwerk Clean Energy Valley Schleswig-Holstein. Die Landesregierung ist demnach kein Teil des Konsortiums und verfügt über keine Entscheidungsbefugnisse gegenüber der Initiative. Sie beauftragt die Strategische Umweltprüfung, prüft die Bewerbung nach Eingang und unterrichtet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; abschließend entscheidet das Kabinett. Bei einem positiven Beschluss wird das Land formal als Net Zero Valley anerkannt.
Was die Ausweisung bringen soll
Grundlage ist der EU-Net-Zero-Industry-Act, der seit dem 29. Juni 2024 gilt. Ausgewiesene Regionen sollen laut Roadmap prioritären Zugang zu europäischen Fördermitteln und schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse erhalten. In Deutschland bewerben sich zudem die Lausitz, das Rheinische Revier und Nordwest Deutschland. Welche konkreten Projekte, Standorte und Vorhaben Bestandteil des schleswig-holsteinischen Antrags werden, ist offen; dazu will die Landesregierung erst nach Eingang der Bewerbung Auskunft geben.
Was das für die Region bedeutet
Unter den 16 Partnern ist auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Für konkrete Standorte im Kreis – und damit auch in Kronshagen – folgt aus dem aktuellen Sachstand noch nichts, weil keine einzelnen Vorhaben benannt sind. Die nächsten Prüfpunkte sind die Einreichung der Bewerbung und die Beauftragung der Strategischen Umweltprüfung, jeweils voraussichtlich im Herbst 2026.
Quellen
Schleswig-Holsteinischer Landtag, Drucksache 20/4851: Kleine Anfrage der Abgeordneten Kianusch Stender und Marc Timmer (SPD) und Antwort der Landesregierung – Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur, „Net Zero Valley Schleswig-Holstein – Sachstand, Zuständigkeiten und weiteres Verfahren“ (Stand 2. Oktober 2026): landtag.ltsh.de
Schleswig-Holsteinischer Landtag, Umdruck 20/6080: Roadmap „Net Zero Valley Schleswig-Holstein“: landtag.ltsh.de
Clean Energy Valley Schleswig-Holstein, Pressemeldung vom 25. August 2026: „Schleswig-Holstein bündelt Kräfte für Europas klimaneutrale Industrie der Zukunft“ (verantwortlich: KiWi, Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungs GmbH): clean-energy-valley.de



