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Schleswig-Holstein

Stromausfall in SH: Defektes Leiterseil identifiziert

Am Sonntag, 18. Oktober, fiel im westlichen Schleswig-Holstein zeitweise der Strom aus – in der Spitze waren bis zu 40.000 Haushalte in Teilen von fünf Kreisen betroffen. Als mögliche Ursache identifiziert SH Netz ein beschädigtes Leiterseil an einem Strommast im Raum Itzehoe; die Landespolitik verlangt nun eine lückenlose Aufarbeitung.

Christian Muschick ·

Am Sonntagmorgen fiel der Strom in weiten Teilen des westlichen Schleswig-Holstein aus. Gegen 9.31 Uhr löste ein Fehler im 110.000-Volt-Hochspannungsnetz eine Überspannung aus, durch die sich mehrere Umspannwerke abschalteten. In Teilen der Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Steinburg und Rendsburg-Eckernförde waren in der Spitze bis zu 40.000 Haushalte ohne Strom. Über Umschaltungen der Netzleitstelle kamen bis 11.48 Uhr ein Großteil der Haushalte wieder ans Netz; seit 17 Uhr sind laut Netzbetreiber SH Netz die letzten Kunden in den betroffenen Kreisen grundsätzlich wieder versorgt.

Folgefehler im Umspannwerk Linden

Die Überspannung hatte Folgen über den reinen Stromausfall hinaus: Im Umspannwerk Friedrichstadt kam es zu einem Feuer an einem Überspannungsableiter, einem Bauteil, das Überspannung grundsätzlich nach außen ableiten soll. Am Nachmittag folgte im Umspannwerk Linden im Kreis Dithmarschen ein weiterer Ausfall: Ein Fehler führte dort zu einem Brand an einem Schaltfeld, erneut mehrere tausend Haushalte waren zeitweise unversorgt. Die Störungsbereitschaft und die Netzleitstelle versorgten auch diese Haushalte nach und nach über Umschaltungen wieder; Einsatzkräfte und Feuerwehren waren an mehreren Orten im Einsatz.

Defektes Leiterseil im Raum Itzehoe

Eine mögliche Ursache hat der Netzbetreiber inzwischen identifiziert: ein beschädigtes Leiterseil an einem Strommast im Raum Itzehoe. Eine solche Beschädigung kann einen Kurzschluss mit der damit verbundenen Überspannung auslösen; normalerweise sorgen Sicherungssysteme dafür, dass die Überspannung ohne Schäden abgeleitet wird. Ein Spezialistenteam aus Netzführung und Netzberechnung analysiert derzeit rund 10.000 automatisch erstellte Meldungen der Netzüberwachungssysteme. Auf ein Fremdverschulden deuten sich laut SH Netz derzeit keine Hinweise. Die defekte Leitung wurde zwischenzeitlich repariert und ist wieder in Betrieb.

Hauselektrik möglicherweise beschädigt

SH Netz empfiehlt den Haushalten in den betroffenen Regionen dringend, Sicherungskästen, Hausanlagen und alle angeschlossenen elektrischen Geräte auf Sicht zu kontrollieren – gegebenenfalls durch einen Fachbetrieb. Ein solcher Kurzschluss könne wie ein Blitzeinschlag in der Leitung wirken und sogar Brände auslösen. Bei Brandspuren an elektrischen Hausanlagen sollen die Feuerwehr, ein Elektrofachbetrieb oder SH Netz informiert werden. Schadensmeldungen können Kundinnen und Kunden an ihr zuständiges Netzcenter richten; die Versicherung des Unternehmens prüft die Fälle anschließend. Im Kreis Steinburg stand Landrat Claudius Teske ab Beginn im direkten Austausch mit SH Netz und den Einsatzkräften; die Versorgung sei inzwischen in den meisten Haushalten des Kreises wiederhergestellt.

Landtag fordert Aufklärung

Die Politik verlangt Aufarbeitung. Christopher Vogt, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, spricht angesichts des Ausmaßes offenbar vom größten Stromausfall in Schleswig-Holstein seit vielen Jahren und betont, das Stromnetz als zentrale kritische Infrastruktur sei ein potenzielles Ziel für Sabotageakte. Seine Fraktion hat für den 28. Oktober einen Bericht der Landesregierung im Umwelt- und Agrarausschuss beantragt, über den Ursachen, Schäden, Einsätze und Präventionsmaßnahmen informiert werden sollen. Andreas Hein, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, fordert, die Ursache des Kurzschlusses aufzuarbeiten und Lehren für den Schutz von Haushalten, Unternehmen und kritischer Infrastruktur zu ziehen. Der Netzausbau und das vermaschte Netz hätten seiner Ansicht nach dazu beigetragen, dass die Versorgung für die meisten Betroffenen vergleichsweise schnell wiederhergestellt werden konnte; die Schäden seien dennoch immens.

Für die betroffenen Haushalte bleiben nun die Schadensermittlung und die Auswertung der Netzüberwachung die laufenden Aufgaben des Netzbetreibers.

Quellen

– Schleswig-Holstein Netz (HanseWerk-Gruppe): Pressemitteilung „Stromausfall in den Teilen der Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Steinburg und Rendsburg-Eckernförde: erste Erkenntnisse“, 18.10.2026.
– Schleswig-Holstein Netz: Aktualisierung „SH Netz empfiehlt dringend Kontrolle der Hausanlagen“, 18.10.2026.
– Schleswig-Holstein Netz: 4. Aktualisierung „Folgefehler im Umspannwerk Linden führt zu Brand“, 18.10.2026.
– Schleswig-Holstein Netz: Pressemitteilung „Nach Stromausfall im Westen Schleswig-Holsteins – Versorgung wiederhergestellt“, 18.10.2026.
– Schleswig-Holstein Netz: Pressemitteilung „Intensive Suche nach der Ursache des Stromausfalls im Westen Schleswig-Holsteins“, 19.10.2026.
– FDP-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein: Pressemitteilung „Christopher Vogt: Ursache des Stromausfalls muss schnell und transparent aufgeklärt werden“, 19.10.2026 (Landtags-Pressticker).
– CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein: Pressemitteilung „Andreas Hein: Stromausfall an der Westküste: Lückenlos aufklären und Konsequenzen ziehen“, 19.10.2026 (Landtags-Pressticker).
– Kreisverwaltung Steinburg: Meldung „Stromausfall: Strom ist in den meisten Haushalten wieder da“, 18.10.2026.