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Kieler Hochschulen bauen Kleinst-Schienenfahrzeug

Bewaldete Bahnstrecke Malente–Lütjenburg bei der Haltestelle Holsteinische Schweiz

Drei Kieler Hochschulen wollen ein besonders kleines und leichtes Schienenfahrzeug für dünn besiedelte Regionen entwickeln. Im zweijährigen Projekt REAKTIVATOR sollen zwei Demonstratoren entstehen und auf der Teststrecke zwischen Malente und Lütjenburg erprobt werden. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben nach Angaben der HAW Kiel mit 741.000 Euro.

Vier bis sechs Plätze und höchstens 20 km/h

Das geplante Fahrzeug soll rund 3,5 Tonnen wiegen, elektrisch angetrieben werden und Platz für vier bis sechs Personen bieten. Die vorgesehene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 Kilometern pro Stunde. Auf eine Klimaanlage wollen die Forschenden bewusst verzichten, um Gewicht, Energieverbrauch und technische Komplexität zu begrenzen.

Das Ziel ist zunächst kein herkömmlicher Zug, sondern eine möglichst einfache Forschungsplattform. An ihr sollen Technik, Gestaltung und neue Betriebskonzepte für ländliche Strecken erprobt werden.

Direkter Umstieg auf eingleisiger Strecke

Eine Besonderheit des Konzepts betrifft Begegnungen auf eingleisigen Strecken. Zwei Fahrzeuge sollen Stirn an Stirn halten können. Die Fahrgäste würden dann unmittelbar von einem Fahrzeug in das andere wechseln. Dadurch könnte ein Betrieb ohne klassische Ausweichstelle untersucht werden.

Ob dieses Verfahren später genehmigungsfähig, barrierefrei und im regulären Fahrgastbetrieb praktikabel ist, ist noch Gegenstand von Forschung und Entwicklung. Das Projekt stellt zunächst Demonstratoren her.

Drei Hochschulen teilen die Aufgaben

Die HAW Kiel koordiniert das Projekt und arbeitet an Fahrwerk und Fahrzeugtechnik. Die Muthesius Kunsthochschule übernimmt Aufgaben der Gestaltung. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelt sicherheitskritische eingebettete Systeme und Steuerungstechnik.

Nach Angaben der beteiligten Hochschulen sollen die Komponenten möglichst günstig, modular und miteinander kompatibel sein. Langfristig zielt die Forschungsinitiative REAKT auf autonom bestellbare Fahrzeuge. Im Projekt REAKTIVATOR geht es jedoch zunächst um zwei kleine Versuchsfahrzeuge und die Erprobung grundlegender Funktionen.

Teststrecke Malente–Lütjenburg

Erprobt werden sollen die Fahrzeuge auf der rund 17 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Malente und Lütjenburg. Sie ist das Reallabor der Forschungsinitiative REAKT. Die Strecke ermöglicht Tests, die im regulären Eisenbahnnetz nur mit deutlich größerem Genehmigungs- und Sicherheitsaufwand möglich wären.

Die Initiative untersucht nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Leit-, Sicherungs-, Sensor- und Kommunikationstechnik sowie mögliche Betriebsmodelle für stillgelegte oder schwach genutzte Strecken.

Noch kein Linienverkehr beschlossen

REAKTIVATOR ist ein Forschungsprojekt. Weder ein Serienfahrzeug noch ein regulärer Fahrgastbetrieb mit dem neuen Fahrzeug sind bislang angekündigt. Auch eine Anwendung in Kronshagen ist nicht Bestandteil der veröffentlichten Projektbeschreibung. Die regionale Bedeutung liegt vor allem darin, dass drei Kieler Hochschulen gemeinsam an einem möglichen Baustein für die Reaktivierung ländlicher Bahnstrecken arbeiten.

Bundesförderung über DATIpilot

Die 741.000 Euro stammen aus dem Förderformat DATIpilot des Bundesforschungsministeriums. Das Programm soll den Transfer wissenschaftlicher Ideen in praktische Anwendungen unterstützen. REAKT selbst war bereits 2024 als Innovationscommunity für eine Förderung von fünf Millionen Euro über vier Jahre ausgewählt worden. REAKTIVATOR ist ein konkretes Entwicklungsprojekt innerhalb dieses Forschungsumfelds.

Quellen

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