Schleswig-Holstein will die Arbeit seiner Katastrophenschutzstäbe auf eine gemeinsame digitale Grundlage stellen. Nach einer europaweiten Ausschreibung hat das Land den Auftrag für ein landesweites Führungsunterstützungssystem an Eurocommand vergeben. Das Auftragsvolumen liegt nach Angaben des Innenministeriums bei rund sechs Millionen Euro.
Die Software soll die Einsatzstäbe des Landes, der Kreise und der kreisfreien Städte miteinander verbinden. Lageinformationen sollen nahezu in Echtzeit ausgetauscht, gemeinsame Lagebilder schneller erstellt und der Einsatz von Personal und Material übersichtlicher geplant werden können. Damit reagiert das Land auf eine bislang uneinheitliche digitale Ausstattung der Katastrophenschutzbehörden.
Ein System für 16 Katastrophenschutzbehörden
Nach Angaben des Innenministeriums gibt es in Schleswig-Holstein insgesamt 16 untere Katastrophenschutzbehörden. Einige von ihnen nutzen das nun ausgewählte System bereits. Andere arbeiten mit anderen Programmen oder verfügen bislang über keine entsprechende digitale Unterstützung. Künftig sollen die Stäbe auf derselben technischen Grundlage arbeiten.
Parallel zur Einführung plant das Innenministerium einheitliche Schulungen und regelmäßige Übungen. Damit sollen die Stäbe nicht nur die Software kennenlernen, sondern auch die Zusammenarbeit über Behördengrenzen hinweg einüben.
Das Führungsunterstützungssystem ist zugleich die erste Komponente der geplanten Datenplattform DIKatS. Diese gemeinsame Plattform für Katastrophen-, Brand- und Zivilschutz soll nach dem Zeitplan des Landes bis 2030 fertiggestellt werden. Weitere Bestandteile und Umsetzungsschritte sollen damit in den kommenden Jahren folgen.
Was die Landesentscheidung für Rendsburg-Eckernförde bedeutet
Für den Kreis Rendsburg-Eckernförde ist die Entscheidung unmittelbar relevant, weil der Kreis als untere Katastrophenschutzbehörde für das Kreisgebiet zuständig ist. In einer Krisenlage koordiniert der Führungsstab des Kreises das Einsatzgeschehen und trifft strategische Entscheidungen. Die Integrierte Regionalleitstelle Mitte und die Technische Einsatzleitung unterstützen Führung und Kommunikation.
Ein landeseinheitliches System kann vor allem bei größeren oder kreisübergreifenden Ereignissen Vorteile bringen: Wenn Kreis, Nachbarkreise, kreisfreie Städte und Land mit derselben technischen Grundlage arbeiten, lassen sich Lageinformationen, verfügbare Kräfte und benötigtes Material grundsätzlich leichter zusammenführen. Die Software ersetzt dabei weder die fachlichen Entscheidungen der Stäbe noch die Arbeit der Einsatzkräfte vor Ort. Sie soll die gemeinsame Informationsbasis verbessern.
Die Landesmitteilung nennt allerdings weder einen Einführungstermin noch den derzeitigen Softwarestand für den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Aus der Auftragsvergabe lässt sich deshalb nicht ableiten, dass das neue System hier bereits eingeführt ist. Auch ein möglicher Kostenanteil des Kreises wird nicht ausgewiesen.
Sechs Millionen Euro sind das Auftragsvolumen
Die vom Land genannten rund sechs Millionen Euro bezeichnen das Volumen des vergebenen Auftrags. Die Summe sollte daher nicht als reine Lizenzgebühr verstanden werden. Welche Anteile etwa auf Software, Einführung, Schulung, Betrieb oder weitere Leistungen entfallen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Den Zuschlag erhielt Eurocommand. Weitere Einzelheiten zur Zusammensetzung des Auftragsvolumens hat das Land in seiner Mitteilung nicht veröffentlicht.
Katastrophenschutz bleibt Aufgabe mehrerer Ebenen
Die neue Software verändert die gesetzlichen Zuständigkeiten nicht. Unterhalb der Katastrophenschwelle bleiben die örtliche Gefahrenabwehr und die Feuerwehr Sache der Gemeinden beziehungsweise der jeweils zuständigen Stellen. Stellt der Kreis eine Katastrophe fest, übernimmt er die übergreifende Koordination. Wie sich die Aufgaben von Gemeinde und Kreis unterscheiden, erklärt der Hintergrundartikel „Katastrophenschutz: Kreis oder Gemeinde – wer ist wann zuständig?“.
Für Rendsburg-Eckernförde liegt die Bedeutung der Landesentscheidung daher vor allem in der künftigen Zusammenarbeit: Eine gemeinsame technische Sprache kann den Informationsaustausch zwischen den Ebenen erleichtern. Ob und wann diese Grundlage im Kreis praktisch genutzt wird, bleibt nach dem bislang veröffentlichten Stand offen.





