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Rader Hochbrücke: Mittelstück schließt die Lücke

Luftaufnahme der bestehenden Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal

Zuletzt aktualisiert am 22. Juli 2026: Eingearbeitet wurden der Finanzierungsengpass beim zweiten Teilbauwerk, die Stellungnahme des Bundesverkehrsministeriums und die Warnung von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. Erstveröffentlichung: 14. Juli 2026.

Das 118 Meter lange und rund 1.250 Tonnen schwere Mittelteil der neuen Rader Hochbrücke hat am 16. Juli um 9:52 Uhr seine Endposition erreicht. Die Lücke über dem Nord-Ostsee-Kanal ist geschlossen. Doch während die Bauarbeiter vor Ort die Schweißnähte setzen, wächst in Berlin die Sorge um das Geld für die zweite Brückenhälfte.

Wie der Einhub verlief

Die neue Brückenhälfte war von beiden Ufern aufeinander zu gewachsen. Zwischen den bereits montierten Stahlkonstruktionen blieb über dem Kanal eine Lücke, die nun mit dem Mittelstück geschlossen wurde. Das Stahlteil war im Rendsburger Hafen zusammengebaut und mit mehreren Korrosionsschutzanstrichen versehen worden. Der Transport über rund sechs Kilometer Wasserweg zur Baustelle dauerte nach Angaben der DEGES etwa 60 Minuten.

Vier Litzen mit jeweils 400 Tonnen Tragkraft hoben das Bauteil vom Ponton an. In Schritten von jeweils 25 Zentimetern wurde es rund 50 Meter nach oben bewegt. Für die letzten etwa 60 Zentimeter musste das Stahlteil am nördlichen Ende noch angepasst werden, weil sich der Stahl bei Tageswärme ausdehnte. Um 9:52 Uhr meldete das Team Vollzug.

Kanalsperrung wurde bis 10 Uhr verlängert

Für die Arbeiten sperrte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt den Abschnitt zwischen Kanalkilometer 67,2 und 69,6. Ursprünglich war die Sperrung von Mittwoch, 15. Juli, 17 Uhr, bis Donnerstag, 16. Juli, 9 Uhr angesetzt. Wegen der zusätzlichen Anpassungsarbeiten wurde sie bis 10 Uhr verlängert. Seitdem ist der Kanal wieder für die Schifffahrt freigegeben. Den Straßenverkehr auf der bestehenden Brücke betrafen die Arbeiten nicht.

Finanzierung des zweiten Bauwerks offen

Mit dem Einhub ist die östliche Brückenhälfte über dem Kanal geschlossen. Schweiß-, Fahrbahn- und Ausstattungsarbeiten folgen. Ende 2026 soll das erste Teilbauwerk für den Verkehr freigegeben werden. Anschließend wechselt der Verkehr auf die neue Brücke, die alte wird abgebrochen. Ab 2028 soll die zweite Brückenhälfte errichtet werden, 2031 soll das Gesamtprojekt fertig sein.

Doch die Finanzierung für das zweite Teilbauwerk steht noch nicht. Das Bundesverkehrsministerium teilt auf Anfrage mit, dass mit der derzeitigen Mittelausstattung auch laufende Projekte noch nicht vollumfänglich durchfinanziert seien. Der Bund verweist auf die angespannte Haushaltslage, rückläufige Lkw-Mauteinnahmen durch den Hochlauf der Elektromobilität im Schwerverkehr und einen Baupreisindex, der seit 2021 um rund 40 Prozent gestiegen ist. Eine Mitteilung des Ministeriums vom 21. Juli 2026 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigt dies.

Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) warnt: „Eine halbfertige Rader Brücke wäre ein Offenbarungseid.“ In einem Brief an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder drängt er auf die vollständige Fertigstellung. Sollte sich die Finanzierung verschieben, könnte das Rendsburger Kreuz über Jahre zum Nadelöhr werden. Die ständigen Preissteigerungen würden vermutlich schon in zwei bis drei Jahren jeden Kostenrahmen und jeden Zeitplan sprengen. Eine halbe Brücke bringe keinen Fortschritt gegenüber der Situation vor 2013, als es noch keine Einschränkungen für den Lkw-Verkehr auf der Brücke gab, argumentiert Madsen.

Der Bund will der Autobahn GmbH ermöglichen, Kredite aufzunehmen, und hat einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Ab 2027 sollen dadurch zusätzliche Investitionen in die Bundesfernstraßeninfrastruktur möglich werden. Das Ministerium betont, dass es sich weiterhin mit Nachdruck für das Projekt einsetzen wolle.

Was bisher geschah

Die bestehende, knapp 1.500 Meter lange Brücke wurde 1972 freigegeben. Im Sommer 2013 entdeckten Experten bei einer Routineprüfung starken Verschleiß an den Betonelementen. Eine statische Nachrechnung 2014 bescheinigte eine Restnutzungsdauer bis Ende 2026. Der offizielle Baubeginn für den Ersatzneubau war im April 2023.

Das erste Teilbauwerk kostete 307 Millionen Euro. Für das Gesamtprojekt inklusive sechsstreifigem Ausbau der A7, Abriss der alten und Bau der zweiten Brückenhälfte rechnet die DEGES inzwischen mit knapp 900 Millionen Euro.

Bedeutung für die Region

Die Rader Hochbrücke führt die A7 über den Nord-Ostsee-Kanal und die Borgstedter Enge. Sie ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Schleswig-Holsteins und auch für Fahrten aus dem Raum Kronshagen und Kiel in Richtung Rendsburg, Flensburg und Dänemark von Bedeutung.

Über die alte Brücke rollen nach DEGES-Angaben 54.000 Fahrzeuge am Tag. Für 2030 wird mit 61.900 Fahrzeugen gerechnet. Das neue Bauwerk erhält getrennte Überbauten für beide Fahrtrichtungen; der Abschnitt zwischen Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg wird sechsstreifig ausgebaut.

Quellen

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