Bildhinweis: Das Beitragsbild ist KI-generiert und dient als Symbolbild. Es zeigt keine dokumentarische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.
Über „die A21″ wird seit Jahren geredet, als wäre sie ein einziges Projekt. Tatsächlich sind es mehrere Abschnitte mit sehr unterschiedlichem Stand: Der Süden ist weitgehend gebaut, der Kieler Anschluss ist politisch und finanziell offen – und die umstrittene Südspange wurde wegen einer Kostenexplosion zurückgestellt. Ein nüchterner Sachstand.
Die Grundidee ist einfach: Neben der A7 soll mit dem Ausbau der B404 zur A21 eine zweite leistungsfähige Nord-Süd-Achse entstehen, die Kiel, seinen Hafen und das Umland besser an die A1, die A24 und damit Richtung Hamburg, Berlin und die Ostseehäfen anbindet. Die Strecke verläuft von Kiel über Bad Segeberg bis Schwarzenbek. So weit das Zielbild. In der Umsetzung zerfällt es in Etappen – und genau diese Etappen sollte man auseinanderhalten, damit eine Freigabe an einer Stelle nicht den Eindruck erweckt, das Kieler Problem sei gelöst.
Der Süden: weitgehend fertig
Zwischen Löptin und der A1 bei Bargteheide ist die frühere B404 längst auf rund 54 Kilometern vierstreifig zur A21 ausgebaut und unter Verkehr; der letzte Abschnitt Richtung Bargteheide wurde Ende Mai 2025 fertig. Der sichtbarste Fortschritt kam am 1. April 2026 hinzu: Der 7,9 Kilometer lange Abschnitt zwischen Klein Barkau und Löptin südlich von Kiel wurde freigegeben. Die Bundesinvestitionen allein dafür betrugen rund 200 Millionen Euro; gebaut wurden neben der Autobahn drei Gemeindeverbindungsstraßen, sieben Regenrückhaltebecken, sieben Brücken, eine Rastanlage sowie die Renaturierung der Nettelau. Mit dieser Freigabe ist, wie das Bundesverkehrsministerium formulierte, ein Großteil des A21-Ausbaus geschafft.
Der Kieler Anschluss: hier wird es kompliziert
Für Kiel und die Region entscheidend ist aber das letzte Stück zwischen Klein Barkau und dem Stadtgebiet – und hier endet der zügige Fortschritt. Den Ausbau bis ans geplante Barkauer Kreuz betreut die Infrastruktur-Gesellschaft DEGES. Der überarbeitete Entwurf für den B404-Ausbau ist nach DEGES-Angaben weitgehend abgeschlossen; die Kostenberechnung muss aber erst von der Autobahn GmbH des Bundes bestätigt werden. Erst danach soll das Genehmigungsverfahren (Planfeststellung) beantragt werden – vorgesehen ist das für das zweite Halbjahr 2026. Als dringend gilt zudem der vierstreifige Ersatzneubau der bislang zweistreifigen Bahnbrücke im Zuge der B404 am Meimersdorfer Moor.
Entscheidend ist aber: Ob und wann der Weiterbau bis Kiel kommt, ist derzeit ungewiss. Die Finanzierung durch Bundesmittel ist nicht gesichert, und in Schleswig-Holstein genießen andere Projekte höhere Priorität – die Feste Fehmarnbeltquerung sowie der sechsstreifige Ausbau von A1 und A7. „Planung weit fortgeschritten“ heißt hier also nicht „Bau gesichert“.
Die Südspange: zurückgestellt
Am deutlichsten verändert hat sich die Lage bei der Südspange – jener neuen West-Ost-Verbindung, die das Barkauer Kreuz und den Kieler Süden entlasten sollte. Eine 190-seitige Voruntersuchung der DEGES kam Ende 2024 zu einem klaren Ergebnis: Die Kosten sind massiv gestiegen. Die als Vorzugsvariante 3 ermittelte Trasse (südlich des Gleisdreiecks von der Anschlussstelle Karlsburg zur B76 nahe der Segeberger Landstraße, mit sieben Brücken) wird auf rund 136 Millionen Euro geschätzt – nach einer ursprünglichen Schätzung von etwa 35 Millionen; je nach Variante waren bis zu 265 Millionen im Gespräch. Die DEGES machte zudem deutlich, dass die Südspange das Ostufer verkehrlich nicht spürbar entlasten würde.
Die Konsequenz: Die Südspange wird absehbar zurückgestellt und planerisch vom A21-Ausbau entkoppelt; der B404-Ausbau bis ans Barkauer Kreuz wird priorisiert. Förmlich gestrichen ist die Südspange nicht – sie bleibt im Bundesverkehrswegeplan, und die endgültige Entscheidung trifft der Bund. Aber als realistisches Bauvorhaben spielt sie auf absehbare Zeit keine Rolle mehr.
Der Stand auf einen Blick
| Abschnitt | Länge | Stand (Juni 2026) | Kosten |
|---|---|---|---|
| Löptin – A1 Bargteheide | ~54 km | gebaut, unter Verkehr | – |
| Klein Barkau – Löptin | 7,9 km | freigegeben 1.4.2026 | ~200 Mio € (Bund) |
| Neumeimersdorf – Wellseedamm | 1,8 km | gebaut, unter Verkehr | – |
| Wellseedamm – Klein Barkau | 5,4 km | Planfeststellung in Vorbereitung | noch nicht bestätigt |
| Kieler Anschluss bis Barkauer Kreuz | ~2,1 km | Genehmigungsverfahren ab 2. Hj. 2026 geplant; Finanzierung offen | noch nicht bestätigt |
| Bahnbrücke B404 (Meimersdorfer Moor) | – | dringender Ersatzneubau, soll bald beginnen | offen |
| Südspange (B202) | 2–4 km (je Variante) | zurückgestellt, im BVWP verblieben | ~136 Mio € (Variante 3) |
Die Zielkonflikte
Die Positionen sind unterschiedlich, aber nicht beliebig.
Befürworter – die Wirtschaft, Hafen- und Logistikverbände, die IHKs, der ADAC und Initiativen wie „A21 jetzt“, gestützt von der Landesregierung – sehen in der A21 die notwendige zweite Nord-Süd-Achse: bessere Anbindung Kiels an Hamburg, A1 und A24, mehr Zuverlässigkeit für Pendler und Logistik, einen Standortfaktor für Hafen und maritime Wirtschaft. Die Verkehrsprognosen der DEGES nennen bis zu 56.000 Fahrzeuge täglich auf dem A21-Ausbau.
Kritiker verweisen auf Flächenverbrauch, Lärm, Eingriffe in Natur und Wohnumfeld sowie die Klimaziele – und auf die alte Frage, ob eine weitere Straßenachse Verkehr nur verlagert oder zusätzlich erzeugt. Im Kieler Süden geht es dabei nicht um eine abstrakte Linie: Betroffen wären der Grüngürtel, das Vieburger Gehölz (im Volksmund das „grüne Herz“), Kleingärten und Wanderwege. Ein Bündnis aus Umwelt- und Mobilitätsverbänden (darunter BUND, NABU, ADFC, Greenpeace) hat dagegen mobilisiert; im März 2025 demonstrierten rund 300 Menschen.
Ein dritter Konflikt ist kommunalpolitisch: Die Stadt Kiel hat sich per Ratsbeschluss gegen die Südspange und gegen eine A21-Führung bis zum Barkauer Kreuz durch den Grüngürtel positioniert. Formal haben Bund und Land bei Bundesfernstraßen das letzte Wort und brauchen die Zustimmung der Stadt nicht – politisch aber betont die Landesregierung, der Weiterbau solle „im Einklang mit Kiel“ erfolgen. Und schließlich steht der A21-Ausbau im Wettbewerb mit anderen Großprojekten um knappe Bundesmittel.
Was heißt das für die Region – und für Kronshagen?
Der heiße Teil dieses Projekts liegt im Süden und Südosten Kiels, nicht in Kronshagen. Der Baulärm, die Kleingärten, der umstrittene Grüngürtel – all das betrifft Stadtteile wie Wellsee, Meimersdorf und Gaarden, nicht die Gemeinde im Nordwesten. Direkt an der Trasse liegt Kronshagen nicht.
Indirekt ist die Region trotzdem betroffen. Als Teil des Wirtschafts- und Pendlerraums Kiel teilt Kronshagen die versprochene Entlastung – oder den befürchteten Mehrverkehr – auf den Ringstraßen und Zufahrten der Stadt. Der entscheidende Prüfstein bleibt deshalb dieselbe Frage, die die Fachleute umtreibt: Bringt der Ausbau eine echte Entlastung des Kieler Verkehrs, oder zieht eine leistungsfähigere Achse vor allem zusätzlichen Verkehr an? Und müssten Planungsenergie und Mittel nicht parallel in Bahn, Bus und Radverkehr fließen, damit die Region am Ende bessere Mobilität bekommt und nicht nur mehr Asphalt?
Fazit
Der A21-Ausbau ist ein Prüfstein: Kann Schleswig-Holstein große Infrastruktur so planen, dass Nutzen, Kosten, Umweltfolgen und Alltag nachvollziehbar gegeneinander abgewogen werden? Im Süden ist die Antwort fast geschrieben – dort fährt der Verkehr bereits vierstreifig. Beim Kieler Anschluss steht sie noch aus: Die Planung läuft, das Geld fehlt, die Stadt ist skeptisch, und die Südspange liegt auf Eis. Wer „die A21″ beurteilen will, sollte deshalb genau sagen, von welchem Abschnitt er spricht.
Quellen und Daten: Autobahn GmbH des Bundes (Projektseite A21, Freigabe Klein Barkau–Löptin 1.4.2026); Land Schleswig-Holstein / Wirtschaftsministerium und DEGES (Voruntersuchung A21-Ausbau und Südspange Kiel, Vorzugsvariante 3, Kosten, Zeitplan Planfeststellung 2. Halbjahr 2026); Stadt Kiel / Ratsbeschlüsse und SSW-Landtagsfraktion (Positionierung zu Südspange und A21); Grüngürtelbündnis Kiel und Berichterstattung (Demonstration März 2025); IHK Schleswig-Holstein; Wikipedia (Bundesautobahn 21) zur Einordnung. Abgerufen am 24.06.2026.



