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Schleswig-Holstein · Schleswig-Holstein

IHK-Modell: 40.000 Stellen könnten 2035 unbesetzt sein

Der aktuelle IHK-Fachkräftemonitor weist für den IHK-Bezirk Kiel im Jahr 2035 rund 40.400 unbesetzte Stellen aus. Die Zahl ist eine Modellrechnung für einen großen Kammerbezirk – keine eigene Prognose für Kronshagen.

Christian Muschick ·

Bild: Das Haus der Wirtschaft der IHK zu Kiel. Foto: DYVER, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; redaktioneller 16:9-Beschnitt.

Der IHK-Fachkräftemonitor weist für den IHK-Bezirk Kiel im Jahr 2035 rund 40.400 unbesetzte Stellen aus. Für 2025 enthält das öffentliche Dashboard rund 17.300 unbesetzte Stellen. Nach der Modellrechnung würde sich die Lücke damit innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppeln.

Die Zahlen stammen aus einem gesamtwirtschaftlichen Modell, das Arbeitskräfteangebot und Arbeitskräftebedarf unter bestimmten Annahmen bis 2035 fortschreibt.

Kronshagen gehört zum großen IHK-Bezirk Kiel

Mit „Bezirk Kiel“ ist nicht allein die Landeshauptstadt gemeint. Der Kammerbezirk umfasst Kiel und Neumünster sowie die Kreise Pinneberg, Plön, Rendsburg-Eckernförde und Steinburg. Kronshagen ist damit Teil des ausgewerteten Gebiets. Das Dashboard veröffentlicht jedoch keine eigene Zahl für Kronshagen.

Jahr Unbesetzte Stellen im IHK-Bezirk Kiel Anteil an allen Stellen
2025 rund 17.300 2,6 Prozent
2035 rund 40.400 5,9 Prozent

Besonders viele unbesetzte Stellen erwartet das Modell 2035 im Bezirk Kiel bei medizinischen Gesundheitsberufen mit rund 3.600. Es folgen Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe mit rund 3.100, Unternehmensführung und -organisation mit rund 3.000, Verkaufsberufe mit rund 2.500 sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit rund 2.300.

Rund 115.300 Beschäftigte erreichen das Rentenalter

Für den IHK-Bezirk Kiel berechnet der Monitor bis 2035 rund 115.300 Beschäftigte, die wegen Renteneintritts aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Das ist nicht gleichbedeutend mit 115.300 Stellen, die unverändert nachbesetzt werden müssen. Laut Methodik können Arbeitsplätze entfallen, während zugleich neue Tätigkeiten entstehen. Zudem verändert sich der Bedarf je nach Branche, Konjunktur und technologischem Wandel.

Landesweit spricht die IHK Schleswig-Holstein in ihrem Update vom 16. Juli von aktuell rund 43.000 unbesetzten Stellen. Bis 2035 könnten es mehr als 100.000 werden. Rund 335.000 Menschen würden bis dahin in Rente gehen.

IHK: Zuwanderung beeinflusst die Modelllücke deutlich

Das neue Update enthält zusätzlich ein Szenario zur Zuwanderung. Ohne Zuwanderung würde sich die für 2035 berechnete Lücke nach IHK-Angaben um weitere rund 28.000 Stellen vergrößern. Den daraus entstehenden kumulierten Wertschöpfungsverlust beziffert die Kammer in ihrer Modellrechnung auf rund 59 Milliarden Euro.

Auch diese Summe beschreibt einen modellierten Unterschied zwischen einer wirtschaftlichen Entwicklung mit verfügbaren Arbeitskräften und einer Entwicklung, die durch fehlendes Personal begrenzt wird.

Warum sich die Prognosen verändern

Wie stark die Ergebnisse von Annahmen und Aktualisierungen abhängen, zeigt der Vergleich mit der ersten Vorstellung des Monitors im Februar. Damals nannte die IHK rund 55.000 unbesetzte Stellen als Ausgangswert und etwa 97.000 für 2035. Außerdem war von rund 390.000 altersbedingten Abgängen die Rede. Das Juli-Update nennt nun rund 43.000, mehr als 100.000 und 335.000.

Die IHK erklärt, dass das Modell umfassend aktualisiert wurde. Eingeflossen seien neue Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sowie weitere wirtschaftliche und politische Annahmen. Die veränderten Werte unterstreichen: Der Monitor beschreibt ein mögliches Zukunftsbild und keine feststehende Entwicklung.

So arbeitet der Fachkräftemonitor

Grundlage ist ein Modell der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung, das auch im QuBe-Projekt zur langfristigen Berufs- und Qualifikationsentwicklung verwendet wird. Einbezogen werden unter anderem Daten der Bundesagentur für Arbeit, der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, des Mikrozensus und der IHK-Konjunkturumfragen.

Für die Bundeslandebene nutzt der Monitor Erwerbstätigenzahlen. Für die IHK-Regionen werden Beschäftigtenzahlen verwendet und die übergeordneten Entwicklungen top-down auf die Regionen heruntergebrochen. Regionale Werte sind damit modellierte Ableitungen und keine unmittelbare Messung in jeder einzelnen Kommune.

Industrieaufträge steigen – aber nicht in allen Branchen

Einen aktuellen, amtlichen Blick auf einen Teil der Wirtschaft liefert das Statistikamt Nord. Danach lagen die preisbereinigten Auftragseingänge größerer Industriebetriebe im ersten Quartal 2026 ohne den sonstigen Fahrzeugbau um 5,1 Prozent über dem Vorjahresquartal.

Bei Metallerzeugnissen betrug das Plus 52,1 Prozent, bei elektrischen Ausrüstungen 22,1 Prozent und bei Datenverarbeitungsgeräten 21,0 Prozent. In der Pharmabranche gingen die Auftragseingänge dagegen um 15,1 Prozent zurück. Erfasst wurden 300 Betriebe ausgewählter Wirtschaftszweige mit mindestens 50 tätigen Personen. Großaufträge können die Werte deutlich beeinflussen.

Die Auftragsstatistik belegt keinen direkten Zusammenhang mit der langfristigen IHK-Fachkräfteprojektion. Sie zeigt lediglich, dass sich die aktuelle Industrienachfrage je nach Branche sehr unterschiedlich entwickelt.

Quellen