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Schleswig-Holstein · Schleswig-Holstein

Schulstart: 103 Prozent, 111 Stellen offen

Zum Schulstart nennt das Land 200 Stellen für Vertretungsunterricht und 103 Prozent Unterrichtsversorgung. An zwei Schularten sind 111 Stellen offen.

Christian Muschick ·

Bild: Landeshaus Kiel mit gläsernem Plenarsaal. Foto: kronshagen.news

Am Montag, 17. August, beginnt in Schleswig-Holstein das Schuljahr 2026/27. Das Bildungsministerium erwartet an den öffentlichen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen rund 373.000 Schülerinnen und Schüler. Zum Stichtag 1. August waren 111 Lehrerstellen an Förderzentren und Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe noch unbesetzt.

200 Stellen für Vertretungsunterricht

Für die Sekundarstufe I stehen nach Angaben des Ministeriums 200 zusätzliche Stellen aus der Bildungsoffensive bereit. Sie sollen für Vertretungsunterricht eingesetzt werden. Von diesen Stellen seien nur noch wenige im Besetzungsverfahren. Das Land verbindet damit das Ziel, an weiterführenden Schulen eine Unterrichtsversorgung von 103 Prozent zu erreichen.

Die Kennzahl beschreibt die rechnerische Ausstattung der Schulen im Verhältnis zum vorgesehenen Unterricht. Sie bedeutet nicht, dass jede einzelne Schule 103 Prozent erreicht oder dass kein Unterricht ausfällt.

Insgesamt weist der Landeshaushalt für allgemeinbildende und berufsbildende Schulen sowie Förderzentren 24.643 Stellen für Lehrpersonal aus. Das sind 578 mehr als im Vorjahr. Auf allgemeinbildende Schulen und Förderzentren entfallen 20.806 Stellen, 632 mehr als im Schuljahr 2025/26.

Zum 1. August wurden nach Angaben des Ministeriums 3.028 Lehrkräfte neu eingestellt. Darin sind befristete und unbefristete Beschäftigungen enthalten. Die Zahl ist deshalb nicht mit dem Nettozuwachs an Stellen oder dauerhaft beschäftigten Lehrkräften gleichzusetzen.

111 Stellen noch unbesetzt

Offen waren zum Stichtag 77 Stellen an Förderzentren und 34 an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Weitere Einstellungen sind nach Angaben des Ministeriums zum 1. September und 1. Oktober möglich. Grundschulen, Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und Gymnasien bezeichnet das Land dagegen als sehr gut besetzt.

Besonders schwierig bleibt die Gewinnung von Lehrkräften für die Sonderpädagogik. Das Land verweist auf zusätzliche Studienplätze und einen dualen Masterstudiengang. Im Herbstsemester sollen dort voraussichtlich 17 Studierende beginnen; insgesamt befinden sich derzeit 52 Studierende in diesem Studiengang.

Mehr Schülerinnen und Schüler

Die Gesamtzahl von rund 373.000 Schülerinnen und Schülern liegt nach der Prognose um etwa 2.900 über dem Vorjahr. An den allgemeinbildenden Schulen und Förderzentren steigt die Zahl um rund 6.800 auf 297.800. An den berufsbildenden Schulen geht sie dagegen von etwa 79.100 auf 75.100 zurück.

Für die Gymnasien erwartet das Ministerium einen Anstieg von rund 79.000 auf 86.000 Schülerinnen und Schüler. Als wesentlichen Grund nennt es die Rückkehr zu G9 und damit einen zusätzlichen Jahrgang. Rund 25.800 Kinder werden eingeschult, darunter 24.400 in die erste Jahrgangsstufe einer Grundschule.

Mehr Deutsch und Mathematik in Klasse 1

Grundschulen erhalten im neuen Schuljahr in der ersten Klasse je eine zusätzliche Wochenstunde Deutsch und Mathematik. Über die vier Grundschuljahre steigt die vorgesehene Stundenzahl damit in Deutsch von 25 auf 26 und in Mathematik von 21 auf 22 Wochenstunden.

Neu ist außerdem, dass die Lernstandserhebung LeA.SH in den Jahrgangsstufen 2 und 6 freiwillig angeboten wird. In den Jahrgangsstufen 1 und 5 bleibt sie verbindlich. Die Erhebung soll den Förderbedarf zeigen und ist nach Angaben des Landes keine Leistungsbeurteilung.

Demokratiestunde: eigene 80 Stellen

Die bereits angekündigte Demokratiestunde an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen beginnt ebenfalls im Schuljahr 2026/27. Sie gilt zunächst für ein Jahr. Ab 2027/28 sollen zwei zusätzliche Wochenstunden Wirtschaft und Politik verbindlich werden.

Für diese Demokratie- und WiPo-Maßnahmen sind insgesamt 80 Stellen vorgesehen: 40 im Schuljahr 2026/27 und weitere 40 im folgenden Schuljahr. Diese 80 Stellen sind von den 200 Stellen für den Vertretungsunterricht zu unterscheiden.

SPD und FDP kritisieren die Stellenbilanz

SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat bestreitet, dass es sich bei den 200 Stellen um einen echten Ausbau handelt. Nach seiner Darstellung hatte die Landesregierung zum Schuljahr 2025/26 die Unterrichtsversorgung um 200 Stellen abgesenkt. Nun würden diese Stellen zurückgegeben, dürften aber nur zur Verringerung des Unterrichtsausfalls eingesetzt werden.

Auch FDP-Bildungspolitikerin Anne Riecke sieht keinen bildungspolitischen Aufbruch. Sie verweist auf frühere Kürzungen von mehr als 600 Stellen im Bildungsbereich und auf steigende Schülerzahlen. Die Landesregierung stellt dem die insgesamt höhere Zahl der Lehrpersonalstellen und ihre Maßnahmen zur Gewinnung von Lehrkräften gegenüber.

Quellen