Schleswig-Holstein setzt den Umbau seiner Landes-IT fort. Nach dem Wechsel von Microsoft Office und Outlook zu offenen Lösungen sollen nun mehr als 100 Fachverfahren abgelöst werden, die noch auf Microsoft Access basieren. Dafür nutzt das Land eine offene Low-Code-Plattform.
Mehr als 100 einzelne Anwendungen
Access-Datenbanken werden in Behörden häufig für spezielle Arbeitsabläufe verwendet, die von Standardsoftware nicht abgedeckt werden. Nach Angaben der Staatskanzlei betreibt die Landesverwaltung mehr als 100 solcher Verfahren. Ein relevanter Teil soll noch 2026 ersetzt werden.
Die neue Plattform trägt den Namen A12. Sie stammt vom deutschen Softwareunternehmen mgm technology partners. Mit ihr können Verwaltungsanwendungen modellbasiert und teilweise ohne klassische Programmierung entwickelt werden. Beschäftigte sollen dafür geschult werden, einfachere Anwendungen selbst zu erstellen.
Quellcode unter europäischer Lizenz
Zentrale Bestandteile von A12 wurden im Mai 2026 unter der European Public License 1.2 veröffentlicht. Dazu gehören Quellcode, Dokumentation und Entwicklungswerkzeuge. Andere Verwaltungen können die Lösungen damit prüfen, weiterentwickeln und nachnutzen.
Der Betrieb erfolgt in Rechenzentren des öffentlichen IT-Dienstleisters Dataport. Das landesweite Low-Code-Kompetenzcenter soll die Entwicklung begleiten. Schleswig-Holstein strebt außerdem eine Integration der Plattform in den sogenannten Deutschland-Stack an, der gemeinsame technische Grundlagen für die öffentliche Verwaltung schaffen soll.
Ziel: weniger Abhängigkeit von einzelnen Anbietern
Digitalisierungsminister Dirk Schrödter bezeichnet die Umstellung als Beitrag zur digitalen Souveränität. Das Land will weniger abhängig von proprietären Einzelprodukten sein und Fachverfahren leichter zwischen Behörden austauschen können. Bereits heute nutzt Schleswig-Holstein LibreOffice und Open-Xchange; langfristig ist auch der Wechsel auf Linux-Arbeitsplätze vorgesehen.
Ob sich dadurch Verwaltungsverfahren für Bürgerinnen, Bürger und Kommunen tatsächlich beschleunigen, lässt sich aus der Ankündigung noch nicht ableiten. Entscheidend wird sein, ob die alten Anwendungen vollständig migriert werden, Datenverluste vermieden werden und die Beschäftigten ausreichend geschult sind.





